Es gibt keinen besseren Film über das Leben am Campus als The Wonder Boys von Curtis Hanson. Der Film hat verstanden, dass die Studenten kommen und gehen, der Campus aber tatsächlich dort LEBT. Dabei ist es möglich, dass Fakultäts-Mitglieder jahrzehntelang im Modus Doktorand stecken bleiben - solche wie Grady Tripp (Michael Douglas). Douglas spielt dieses 50jährige Wunderkind, dessen beste Zeit längst vorbei ist ruhig und zurückhaltend, ja staunend. Vor sieben Jahren schrieb der Englisch Lehrer einen Roman, doch seitdem leidet er unter einer Schreib Blockade. The Wonder Boys begleitet ihn nun während eines Literatur Festivals auf dem Campus von Pittsburgh. Seine Frau, die ihn gerade verlassen hat, sehen wir nie. Sein Vater Walter Gaskell (Richard Thomas) ist Leiter des Fach Bereichs. Und Walters Frau Sara (Frances McDormand) ist die Chefin schlicht und ergreifend. Der Lektor Terry Crabtree (Robert Downey Jr.) aus New York erscheint, fragt sich, wo Gradys Skript bleibt. Zwei von Gradys Studenten beschäftigen ihn besonders: James Leer (Tobey Maguire), der einen Roman verfasst hat. Dann noch seine Untermieterin Hannah Green (Katie Holmes), die auch gern das Bett mit ihm teilen würde. Doch Grady ist müde und immer bekifft. Keine dieser Figuren ist ihm wirklich wichtig. So funktioniert diese Screwball Comedy, die aber im Tempo so verlangsamt wurde, dass sie dem normalen Leben angeglichen ist. Natürlich gibts jede Menge Verwirrungen und Missgeschicke, doch das nervt nie, da The Wonder Boys wie beschrieben immer einen ruhigen Beat hält. Offensichtliche Höhepunkte werden nur kurz gestreift und Sex ist in The Wonder Boys eh nur Zeitvertreib. Curtis Hanson, nachdem er in L.A. Confidential den Spuren des Film Noir folgt, wiederholt dieses Experiment mit seiner Screwball Komödie, die genauso witzig wie berührend ist - und ein paar schöne Monroe links bereit hält. In erster Linie aber geht es hier um die Menschen. Könnte ein Wochenende auf einem echten Campus ähnlich verlaufen? Na klar, wenn du bedenkst, wie theatralisch Autoren ihr Leben angehen!

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