Our Daily Free Stream: Jean-Luc Godard - Une Femme Est Une Femme (engl. subt.)
Our Daily Free Stream: Jean-Luc Godard - Une Femme Est Une Femme (engl.
subt.). Zum Geburtstag von Jean-Paul Belmondo!
Wenn Godard Auskunft gibt über sein eigenes Werk, sind Zweifel
angebracht. Une Femme Est Une Femme war sein zweiter Film nach dem
unglaublichen Debüt. Godard aber bezeichnete Une Femme Est Une Femme als
seinen ersten "richtigen"! Das stimmt nicht, Une Femme Est Une Femme
wirkt etwas schwach auf der Brust und phasenweise langweilig. Zum ersten
Mall tritt Godards Frau Anna Karina auf, die aber einen unglaubwürdigen
Charakter verkörpern muss: Sie spielt eine Stripperin, die nach Hause
kommt zu ihrem Yuppie Freund und ein Baby verlangt. Bestimmt habe ich in
keinem Film je so einen manierlichen Strip-Club gesehen wie den! Die
Bedienungen in diesem Laden gehen untätig zwischen den Tischen hin und
her, während die Gäste an ihren Drinks nippen. Schliesslich
verabschieden sie sich voneinander und gehen Heim als ob sie im
Supermarkt an der Registrierkasse arbeiten. Ist da irgendetwas schmierig
oder anrüchig? Überhaupt nicht! Angela Recamier, so ihr Name, während
der Freund Emile Recamier (Jean-Claude Brialy) heisst. Trotzdem besteht
der Film darauf, dass beide gar nicht verheiratet sind! Nun kommt Angela
also nach Hause und verlangt, in zwei Stunden geschwängert zu werden,
anonsten könnte das auch ihr Freund Alfred Lubitsch (Jean-Paul Belmondo)
besorgen, der sowieso hinter ihr her ist. Lubtisch ist einer der
unzähligen Insider Witze für Geeks. Wer Lust hat, kann ja mal eine
Zählung anstellen. Une Femme Est Une Femme will gern ein Musical sein,
ein Tribute der Hollywood Klassiker, behandelt die Musik aber reichlich
abwertend. Wir hören zwar eine ganze Reihe berühmter Chansons, aber oft
werden sie einfach abgebrochen. Das macht Godard offenkundig Spass, die
Musik plötzlich abzustellen. Im Mittelpunkt steht Godard selbst, der
einige Regie Mäzchen unterbringt, die man dann als Nouvelle Vague
bezeichnet. Manche davon sind unnötig (zum Beispiel eine zerfaserte
Kuss-Szene), andere offenbaren seine ganze Meisterschaft: Einmal zeigt
Alfred Angela ein Foto, dass beweist, wie ihr Freund sie betrügt.
Während sie sich das Foto anschaut, gibts einen Schniit von ihrem
Gesicht, zum Foto und dann zu seinem Gesicht. Wieder und wieder.
Brilliant! Der Effekt zeigt, wie sie sich in ihrem Schmerz verliert und
nur noch an dieses Bild denken kann. Der Film im Ganzen aber wirkt viel
zu lang und nimmt nur den Rang "unter ferner liefen" ein. Einige Ideen,
wie die einzelnen Kapitel oder der Einwurf von dicken Überschriften
während des Films gefielen mir so wie die Einlage, wenn Angela und Emile
aufhören, zu sprechen und stattdessen Bücher mit ihren Dialogen
hochhalten. Une Femme Est Une Femme wirkt lebendig und quirlig, aber
auch etwas prätentiös. Sehr bald schon sollte Godard viel bessere Filme
hinkriegen als diesen hier!
Wir sind Bar UND Videothek. Cinegeek.de ist unser Social Network für besondere Filme, aufbauend auf unserer Filmkunstbar Fitzcarraldo. Hier findest du unseren DVD Katalog, den wir, die Videothekare und ihr, die Kunden, gemeinsam zusammengestellt haben (klick auf "Featured Movies"). Darüber hinaus haben wir alle Empfehlungen als "Film Lists" veröffentlicht.
Samstag, 9. April 2016
Freitag, 8. April 2016
Our Daily Free Stream: David Lynch - Lost Highway.
Our Daily Free Stream: David Lynch - Lost Highway. Zum Geburtstag von Patricia Arquette! - Als Lost Highway im Kino lief gingen wir alle mehrmals rein, um anschliessend zu diskutieren, was wir gerade gesehen hatten. Es gab die Fraktion, die den Film so verstand, während eine andere dagegen hielt. Heute denke ich, dass wir damals alle grundlegend falsch lagen: Es gibt nichts zu verstehen. Lost Highway ist ein kalter Film, eine Lektion in Sachen Technik, eine Stilübung - aber unter der Oberfläche wartet nichts. David Lynch hat Lost Highway mit viel Verachtung für sein Publikum konzipiert. Das soll nicht heissen, Lost Highway sei uninteressant. Viele Aufnahmen sind effektiv und angsteinflössend, der Soundtrack ist grandios! Immerhin verdankt David Bowie dem Film sein künstlerisches Comeback! Es gibt wunderliche Twists, falsche Fährten und alles, was eine ordentliche Diskussion so anheizt. Während des Films hofft man, Lynch würde nun alles zusammenführen, doch es bleibt Fassade. Lost Highway eröffnet mit zwei nervösen Menschen in einem bedrohlichen Haus. Sie hassen oder fürchten einander: "You don't mind if I don't go to the club tonight?'', fragt die Ehefrau Renee Madison (Patricia Arquette) ihren Mann Fred Madison (Bill Pullman). Sie will zu Hause bleiben und lesen. "Read? Read?", äfft Fred sie verbittert nach (oder erkennt jemand etwas Liebevolles in der Art wie er das sagt?). Zuletzt sahen wir solche "innigen" Paare im Film Noir der 40er. Dann erleben wir ihn als hippen modernen Jazz Saxophonisten auf der Bühne. Schnitt. Am nächsten Morgen findet er einen Briefumschlag auf der Treppe vor der Tür. Er legt das Videotape ein und sieht eine verwackelte Aufnahme seines Hauses (vermutlich mit einer Überwachungs-Kamera gefilmt). Am nächsten Morgen wieder ein mysteriöses Tape und dieses Mal dringt der Film ein in das Haus. Jemand filmt das Schlafzimmer des Paares. Wer hat die Aufnahmen gemacht? Auf einer Party treffen sie auf einen verstörenden Mann mit einem clownesken Gesicht (Robert Blake). Er verspricht Fred: "We met at your house. As a matter of fact, I'm there right now. Call me.'' Der Clown steht vor Fred, aber ist in der Lage, bei Fred zu Hause am Telefon zu sprechen. Schliesslich spielt Fred das letzte unheimliche Tape ab, das seine ermordete Frau im Bett zeigt. Er selbst wird verdächtigt, sie getötet zu haben und arrestiert. Eines Morgens aber öffnet der Wächter die Zellentür von Fred und ist zutiefst erschrocken. Anstelle des etwa 40jährigen Mannes sitzt ein Teenager (Balthazar Getty) da. Niemand kann sich das erklären und man entlässt ihn. Wir befinden uns ab sofort in einem neuen Film, der auch ganz anders beleuchtet ist: Nach den düsteren Bildern im Haus der Madisons nun gleissendes Sonnenlicht. Die Hauptperson: Der Teenager aus Freds Zelle. Er arbeitet in einer Autwerkstatt als ein Gangster (Robert Loggia) mit seiner Geliebten auftaucht: Sie wird gespielt von Patricia Arquette und hat eine dunkle Vergangenheit. Wir erleben sie während eines Pornodrehs, bei dem gefoltert und getötet wird. Macht diese Szene irgendeinen Sinn? Kann man das überhaupt von irgendeiner Szene im Film behaupten? Lost Highway kommt mir vor wie eine Skizze, in der ein Regisseur Ideen notiert, die isoliert voneinander stehen. Sagen wir mal, Lynch hat sich einen Spass mit uns erlaubt und wirft uns nun seine Skizze vor, auf dass wir uns das Hirn zermatern. Es gibt keinerlei emotionale oder künstlerische Verbindung. In den grossen surrealistischen Klassikern sehen wir auch Szenen, die voneinander entkoppelt sind. Ein gewisser Meister des Surrealismus aus Spanien liess mal eine Figur von zwei Schauspielerinnen darstellen als guten surrealistischen Witz. Bei Lynch fühlt sich das nicht so an. Zwei Mal Patricia Arquette, einmal Bill Pullman, dann Balthazar Getty (eine Person? Oder nicht?) - ich komme mir verulkt vor. Ich habe gar nichts gegen mysteriöse Filme, nur wünschte ich, der Regisseur würde dabei den Überblick behalten. Ich wünschte, er hätte eine Absicht, eine Idee! Lynch immerhin das Talent, uns alle mit leerer Luft in Atem zu halten. (Dazu haben wir für euch eine Film List der 90s postmoderne zusammengestellt auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de
Our Daily Free Stream: David Lynch - Lost Highway. Zum Geburtstag von Patricia Arquette! - Als Lost Highway im Kino lief gingen wir alle mehrmals rein, um anschliessend zu diskutieren, was wir gerade gesehen hatten. Es gab die Fraktion, die den Film so verstand, während eine andere dagegen hielt. Heute denke ich, dass wir damals alle grundlegend falsch lagen: Es gibt nichts zu verstehen. Lost Highway ist ein kalter Film, eine Lektion in Sachen Technik, eine Stilübung - aber unter der Oberfläche wartet nichts. David Lynch hat Lost Highway mit viel Verachtung für sein Publikum konzipiert. Das soll nicht heissen, Lost Highway sei uninteressant. Viele Aufnahmen sind effektiv und angsteinflössend, der Soundtrack ist grandios! Immerhin verdankt David Bowie dem Film sein künstlerisches Comeback! Es gibt wunderliche Twists, falsche Fährten und alles, was eine ordentliche Diskussion so anheizt. Während des Films hofft man, Lynch würde nun alles zusammenführen, doch es bleibt Fassade. Lost Highway eröffnet mit zwei nervösen Menschen in einem bedrohlichen Haus. Sie hassen oder fürchten einander: "You don't mind if I don't go to the club tonight?'', fragt die Ehefrau Renee Madison (Patricia Arquette) ihren Mann Fred Madison (Bill Pullman). Sie will zu Hause bleiben und lesen. "Read? Read?", äfft Fred sie verbittert nach (oder erkennt jemand etwas Liebevolles in der Art wie er das sagt?). Zuletzt sahen wir solche "innigen" Paare im Film Noir der 40er. Dann erleben wir ihn als hippen modernen Jazz Saxophonisten auf der Bühne. Schnitt. Am nächsten Morgen findet er einen Briefumschlag auf der Treppe vor der Tür. Er legt das Videotape ein und sieht eine verwackelte Aufnahme seines Hauses (vermutlich mit einer Überwachungs-Kamera gefilmt). Am nächsten Morgen wieder ein mysteriöses Tape und dieses Mal dringt der Film ein in das Haus. Jemand filmt das Schlafzimmer des Paares. Wer hat die Aufnahmen gemacht? Auf einer Party treffen sie auf einen verstörenden Mann mit einem clownesken Gesicht (Robert Blake). Er verspricht Fred: "We met at your house. As a matter of fact, I'm there right now. Call me.'' Der Clown steht vor Fred, aber ist in der Lage, bei Fred zu Hause am Telefon zu sprechen. Schliesslich spielt Fred das letzte unheimliche Tape ab, das seine ermordete Frau im Bett zeigt. Er selbst wird verdächtigt, sie getötet zu haben und arrestiert. Eines Morgens aber öffnet der Wächter die Zellentür von Fred und ist zutiefst erschrocken. Anstelle des etwa 40jährigen Mannes sitzt ein Teenager (Balthazar Getty) da. Niemand kann sich das erklären und man entlässt ihn. Wir befinden uns ab sofort in einem neuen Film, der auch ganz anders beleuchtet ist: Nach den düsteren Bildern im Haus der Madisons nun gleissendes Sonnenlicht. Die Hauptperson: Der Teenager aus Freds Zelle. Er arbeitet in einer Autwerkstatt als ein Gangster (Robert Loggia) mit seiner Geliebten auftaucht: Sie wird gespielt von Patricia Arquette und hat eine dunkle Vergangenheit. Wir erleben sie während eines Pornodrehs, bei dem gefoltert und getötet wird. Macht diese Szene irgendeinen Sinn? Kann man das überhaupt von irgendeiner Szene im Film behaupten? Lost Highway kommt mir vor wie eine Skizze, in der ein Regisseur Ideen notiert, die isoliert voneinander stehen. Sagen wir mal, Lynch hat sich einen Spass mit uns erlaubt und wirft uns nun seine Skizze vor, auf dass wir uns das Hirn zermatern. Es gibt keinerlei emotionale oder künstlerische Verbindung. In den grossen surrealistischen Klassikern sehen wir auch Szenen, die voneinander entkoppelt sind. Ein gewisser Meister des Surrealismus aus Spanien liess mal eine Figur von zwei Schauspielerinnen darstellen als guten surrealistischen Witz. Bei Lynch fühlt sich das nicht so an. Zwei Mal Patricia Arquette, einmal Bill Pullman, dann Balthazar Getty (eine Person? Oder nicht?) - ich komme mir verulkt vor. Ich habe gar nichts gegen mysteriöse Filme, nur wünschte ich, der Regisseur würde dabei den Überblick behalten. Ich wünschte, er hätte eine Absicht, eine Idee! Lynch immerhin das Talent, uns alle mit leerer Luft in Atem zu halten. (Dazu haben wir für euch eine Film List der 90s postmoderne zusammengestellt auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de
Donnerstag, 7. April 2016
Our Daily Free Stream: Francis Ford Coppola - The Outsiders.
Our Daily Free Stream: Francis Ford Coppola - The Outsiders. Zum Geburtstag von Francis Ford Coppola! - Falls Francis Ford Coppola 1983 niedergeschlagen sein sollte nach dem Zusammenbruch seiner Zoetrope Studios, sieht man es The Outsiders nicht an. The Outsiders sieht nicht nur aus wie "grosses Kino", sondern wie "allergrösstes Kino"! Coppola blickt zurück in die 50er Jahre nach Nebraska, doch wohl eher nicht in seine eigene Jugend, dafür in die Zeit der grossen Hollywood Schinken. The Outsiders beginnt mit einem Banner, der Filmtitel zieht riesengross von rechts nach links an uns vorbei. Die Farben wirken wie ein Technicolor Experiment auf Acid, dazu singt Stevie Wonder Stay Gold. Das wirkt reichlich vom Wind(e) verweht... Alles über-stilisiert, nichts echt! Die Outsider sind eine Street Gang, aber romantisch verklärt. Es sind bestimmt keine richtigen Kids, sondern Teil von Coppolas vielschichtigem "Storytelling". Der Film beruht auf dem recht bekannten Roman von S. E. Hinton. Er handelt vom Klassenkampf der reichen Popper-Gang und den öligen Greasers aus der Unterschicht. Im Auto-Kino will Greaser Dallas Winston (Matt Dillon) Cherry (Diane Lane) aufzureissen, während seine beiden jüngeren und unsicheren Freunde Johnny Cade und Ponyboy Curtis (Ralph Macchio und C. Thomas Howell) versuchen, zu beschwichtigen. Ponyboy empfindet für Cherry die schüchternen Liebesgefühle, die man wohl nur als Teenager so erlebt. Draussen kommt es zur Auseinandersetzung mit Cherrys reichem Schnösel-Freund. Nachdem Dallas sich von seinen Freunden trennt, wissen beide nicht wohin. Johnnys Vater wütet zu Hause und Ponyboy lebt nach dem Tod der Eltern mit seinen beiden älteren Brüdern zusammen. Auch er will nicht nach Hause. Während beide die kalte Nacht im Park verbringen, nähern sich die Popper. Es kommt zum Kampf und Johnny ersticht einen Popper in Notwehr. Beide müssen fliehen und untertauchen. Wir erleben nun Johnny und Ponyboy im Exil, wie sie gemeinsam Margaret Mitchell lesen, über das Leben sprechen und träumen. Beide wirken überzeugend und ich konnte mich wieder an die Poesie einer solchen Freundschaft, wie man sie mit fünfzehn hat, erinnern. Leider ist das, was Coppola darum baut, weniger überzeugend. In gekünstelten Posen zeigt Coppola die beiden vor einem kitschigen Sonnenuntertang und setzt alles daran, die klassische Hollywood Zeit wieder auferstehen zu lassen. Das Problem dabei, seine Figuren derart zu stilisieren, ist folgendes: Sie können kaum atmen und wirken schlechterdings lebendig. Für uns ist es deshalb schwierig, ganz in seinen Film einzutauchen. Das Material des Romans langt wohl höchstens für einen Film von 90 Minuten und Coppola ist gezwungen, Zeit totzuschlagen. Viele Szenen wirken auch genau so! Kaum etwas im Film wird so motiviert, dass es notwendig erscheint, fast alles geschieht einfach so aus Willkür. Matt Dillons Dallas scheint aus alten 50s Rebellen-Filmen abgepaust. Dallas ist ein Opfer der Postmoderne, in der alles zusammen geklaut wird. Coppola selbst scheint sich gar nicht für seine Inszenierung zu interessieren, sondern nur für den "look" seines Films: Das perfekte Licht, die unglaublichsten Bilder, die perfekte Pose! Seine Greasers wirken deshalb manchmal wie Ausschnitte aus einem Gemäldes. Kurz, es gibt nicht allzu viel Leben in The Outsiders. Der Film gleicht einem stilistischen Experiment. Aber: Ich erinnere mich daran, wie erfolgreich der Film war, als er später noch einmal im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Alle, auf dem Schulhof sprachen darüber, die Bravo brachte Faltposter der Outsider. Einmal lag das daran, dass im Film sämtliche 80er Stars des Brat-Pack auftreten: Patrick Swayze, Rob Lowe oder ganz kurz Tom Cruise. Zum anderen waren wir das realistische Erzählen zu der Zeit noch gar nicht gewohnt. Das kam erst später mit dem Indie Kino der 90er. In den 80ern war doch alles nur Oberflächenglanz und schicke Hülle! Vermutlich wurden die Outsiders ganz einfach in unserer Fantasie lebendig! Für mich selbst ist der ganze Film Teil meiner Erinnerungen, meiner persönlichen Nostalgie. Da gehts mir heute nicht anders als Coppola damals, als er den Film drehte... (Dazu gibts unsere Film List mit Gang Filmen auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de
Our Daily Free Stream: Francis Ford Coppola - The Outsiders. Zum Geburtstag von Francis Ford Coppola! - Falls Francis Ford Coppola 1983 niedergeschlagen sein sollte nach dem Zusammenbruch seiner Zoetrope Studios, sieht man es The Outsiders nicht an. The Outsiders sieht nicht nur aus wie "grosses Kino", sondern wie "allergrösstes Kino"! Coppola blickt zurück in die 50er Jahre nach Nebraska, doch wohl eher nicht in seine eigene Jugend, dafür in die Zeit der grossen Hollywood Schinken. The Outsiders beginnt mit einem Banner, der Filmtitel zieht riesengross von rechts nach links an uns vorbei. Die Farben wirken wie ein Technicolor Experiment auf Acid, dazu singt Stevie Wonder Stay Gold. Das wirkt reichlich vom Wind(e) verweht... Alles über-stilisiert, nichts echt! Die Outsider sind eine Street Gang, aber romantisch verklärt. Es sind bestimmt keine richtigen Kids, sondern Teil von Coppolas vielschichtigem "Storytelling". Der Film beruht auf dem recht bekannten Roman von S. E. Hinton. Er handelt vom Klassenkampf der reichen Popper-Gang und den öligen Greasers aus der Unterschicht. Im Auto-Kino will Greaser Dallas Winston (Matt Dillon) Cherry (Diane Lane) aufzureissen, während seine beiden jüngeren und unsicheren Freunde Johnny Cade und Ponyboy Curtis (Ralph Macchio und C. Thomas Howell) versuchen, zu beschwichtigen. Ponyboy empfindet für Cherry die schüchternen Liebesgefühle, die man wohl nur als Teenager so erlebt. Draussen kommt es zur Auseinandersetzung mit Cherrys reichem Schnösel-Freund. Nachdem Dallas sich von seinen Freunden trennt, wissen beide nicht wohin. Johnnys Vater wütet zu Hause und Ponyboy lebt nach dem Tod der Eltern mit seinen beiden älteren Brüdern zusammen. Auch er will nicht nach Hause. Während beide die kalte Nacht im Park verbringen, nähern sich die Popper. Es kommt zum Kampf und Johnny ersticht einen Popper in Notwehr. Beide müssen fliehen und untertauchen. Wir erleben nun Johnny und Ponyboy im Exil, wie sie gemeinsam Margaret Mitchell lesen, über das Leben sprechen und träumen. Beide wirken überzeugend und ich konnte mich wieder an die Poesie einer solchen Freundschaft, wie man sie mit fünfzehn hat, erinnern. Leider ist das, was Coppola darum baut, weniger überzeugend. In gekünstelten Posen zeigt Coppola die beiden vor einem kitschigen Sonnenuntertang und setzt alles daran, die klassische Hollywood Zeit wieder auferstehen zu lassen. Das Problem dabei, seine Figuren derart zu stilisieren, ist folgendes: Sie können kaum atmen und wirken schlechterdings lebendig. Für uns ist es deshalb schwierig, ganz in seinen Film einzutauchen. Das Material des Romans langt wohl höchstens für einen Film von 90 Minuten und Coppola ist gezwungen, Zeit totzuschlagen. Viele Szenen wirken auch genau so! Kaum etwas im Film wird so motiviert, dass es notwendig erscheint, fast alles geschieht einfach so aus Willkür. Matt Dillons Dallas scheint aus alten 50s Rebellen-Filmen abgepaust. Dallas ist ein Opfer der Postmoderne, in der alles zusammen geklaut wird. Coppola selbst scheint sich gar nicht für seine Inszenierung zu interessieren, sondern nur für den "look" seines Films: Das perfekte Licht, die unglaublichsten Bilder, die perfekte Pose! Seine Greasers wirken deshalb manchmal wie Ausschnitte aus einem Gemäldes. Kurz, es gibt nicht allzu viel Leben in The Outsiders. Der Film gleicht einem stilistischen Experiment. Aber: Ich erinnere mich daran, wie erfolgreich der Film war, als er später noch einmal im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Alle, auf dem Schulhof sprachen darüber, die Bravo brachte Faltposter der Outsider. Einmal lag das daran, dass im Film sämtliche 80er Stars des Brat-Pack auftreten: Patrick Swayze, Rob Lowe oder ganz kurz Tom Cruise. Zum anderen waren wir das realistische Erzählen zu der Zeit noch gar nicht gewohnt. Das kam erst später mit dem Indie Kino der 90er. In den 80ern war doch alles nur Oberflächenglanz und schicke Hülle! Vermutlich wurden die Outsiders ganz einfach in unserer Fantasie lebendig! Für mich selbst ist der ganze Film Teil meiner Erinnerungen, meiner persönlichen Nostalgie. Da gehts mir heute nicht anders als Coppola damals, als er den Film drehte... (Dazu gibts unsere Film List mit Gang Filmen auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de
Mittwoch, 6. April 2016
Dänemark Filmauswahl 2015-16
Nicht einmal sechs Millionen Einwohner zählt Dänemark, aber ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an Filmemachern und Schauspielern. Von hier aus strömen sie in die grossen internationalen Filmproduktionen, kehren aber auch immer wieder zurück in die Heimat. In diesem Monat laufen gleich eine Handvoll toller Filme an: Allen voran A War von Tobias Lindholm, Unter dem Sand von Martin Zandflieht und Thomas Vinterbergs Die Kommune. In unserem DVD Neuheiten Regal glänzt Anders Thomas Jensens Men & Chicken mit Mads Mikkelsen und wir warten gespannt auf Nicolas Winding Refns The Neon Demon. Die Drehbücher für seine eigenen Filme, die bezeichnet Anders Thomas Jensen als Spielwiese, auf der alles möglich sei. Am liebsten der Genre-Mix, seine grösste Vorliebe! Genre kann er auch und schreibt regelmässig für Susanne Bier oder Lone Scherfig, die ursprünglich aus der DOGMA Bewegung kommen. Jensen mag aber auch das Gegenteil von Dogma und die zelebriert er in Men & Chicken mit seinem maroden Bauernhof. Ein Szenario wie das von Lars von Triers Antichrist, denn hier scheint alles möglich! Kunst und Unterhaltung werden hier nicht als Widerspruch begriffen. Das würde ganz bestimmt auch Winding Refn unterschreiben mit seinen Anschlägen auf unsere Sinne! Nach der Pusher Trilogie, die den Untergang eines Kobenhagner Drogendealers besiegelt, inszenierte er Trips in die männliche Wahrnehmung wie Walhalla Rising oder sein Hollywood Debüt Drive. Offensichtlich sind dänische Filmemacher auch wild und unangepasst! Jensen erinnert sich an die Zeit der DOGMA Filme als der dänische Konsul nur Filme fördern wollte, die ohne Gewalt auskommen: Deshalb sieht man in seiner Action Komödie In China essen sie Hunde in jeder Szene Waffen. Ohne grosses Budget, selbst bezahlt, wurde der Film ein ungeheurer Erfolg und markierte den Beginn einer ganzen Welle solcher Gangster-Komödien. Für Jensen ist ein Drehbuch kein Kunstprodukt, sondern hat fertig gestellt zu werden als Arbeitswerkzeug. Im Grunde ist das eine amerikanische Einstellung und wohl deshalb fällt dänischen Filmemachern der Sprung nach Hollywood so leicht! Ganz selbstverständlich werden Kriegsfilme, Western und Thriller in dem kleinen Land gefertigt. Daneben Post-Dogma Filme und Arthaus Produktionen. Eine funktionierende Filmindustrie und nicht nur ein Loch für Filmfördergelder! Und wie geht man mit den reaktionären Tendenzen in der dänischen Politik neuerdings um? Subversiv und kreativ - so wie immer schon! Hier kommt unsere auswahl dänischer Produktionen aus den Jahren 2015-2016.
Nicht einmal sechs Millionen Einwohner zählt Dänemark, aber ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an Filmemachern und Schauspielern. Von hier aus strömen sie in die grossen internationalen Filmproduktionen, kehren aber auch immer wieder zurück in die Heimat. In diesem Monat laufen gleich eine Handvoll toller Filme an: Allen voran A War von Tobias Lindholm, Unter dem Sand von Martin Zandflieht und Thomas Vinterbergs Die Kommune. In unserem DVD Neuheiten Regal glänzt Anders Thomas Jensens Men & Chicken mit Mads Mikkelsen und wir warten gespannt auf Nicolas Winding Refns The Neon Demon. Die Drehbücher für seine eigenen Filme, die bezeichnet Anders Thomas Jensen als Spielwiese, auf der alles möglich sei. Am liebsten der Genre-Mix, seine grösste Vorliebe! Genre kann er auch und schreibt regelmässig für Susanne Bier oder Lone Scherfig, die ursprünglich aus der DOGMA Bewegung kommen. Jensen mag aber auch das Gegenteil von Dogma und die zelebriert er in Men & Chicken mit seinem maroden Bauernhof. Ein Szenario wie das von Lars von Triers Antichrist, denn hier scheint alles möglich! Kunst und Unterhaltung werden hier nicht als Widerspruch begriffen. Das würde ganz bestimmt auch Winding Refn unterschreiben mit seinen Anschlägen auf unsere Sinne! Nach der Pusher Trilogie, die den Untergang eines Kobenhagner Drogendealers besiegelt, inszenierte er Trips in die männliche Wahrnehmung wie Walhalla Rising oder sein Hollywood Debüt Drive. Offensichtlich sind dänische Filmemacher auch wild und unangepasst! Jensen erinnert sich an die Zeit der DOGMA Filme als der dänische Konsul nur Filme fördern wollte, die ohne Gewalt auskommen: Deshalb sieht man in seiner Action Komödie In China essen sie Hunde in jeder Szene Waffen. Ohne grosses Budget, selbst bezahlt, wurde der Film ein ungeheurer Erfolg und markierte den Beginn einer ganzen Welle solcher Gangster-Komödien. Für Jensen ist ein Drehbuch kein Kunstprodukt, sondern hat fertig gestellt zu werden als Arbeitswerkzeug. Im Grunde ist das eine amerikanische Einstellung und wohl deshalb fällt dänischen Filmemachern der Sprung nach Hollywood so leicht! Ganz selbstverständlich werden Kriegsfilme, Western und Thriller in dem kleinen Land gefertigt. Daneben Post-Dogma Filme und Arthaus Produktionen. Eine funktionierende Filmindustrie und nicht nur ein Loch für Filmfördergelder! Und wie geht man mit den reaktionären Tendenzen in der dänischen Politik neuerdings um? Subversiv und kreativ - so wie immer schon! Hier kommt unsere auswahl dänischer Produktionen aus den Jahren 2015-2016.
Our Daily Free Stream: Bette Davis - All About Eve.
Our Daily Free Stream: Bette Davis - All About Eve. Zum Geburtstag von Bette Davis! - Älter zu werden bedeutete eine kluge Entscheidung für die Karriere von Bette Davis, deren Image schon immer hart und kantig war. Erwachsen waren ihr Figuren immer, naiv nie. Davis verkörperte professionelle Anführer, Überlebende oder Raubtiere in Frauengestalt. Margo Channing in "All About Eve" (1950) aber stellte ihre grösste Rolle dar! Margo schien ein Zugeständnis von Davis Unterlegenheit gegenüber der nachfolgenden Generation zu symbolisieren, in Wahrheit aber war es ein Sieg: Der Triumph starker Persönlichkeit über Schönheit! Eine persönlichere Rolle hatte Davis nie verkörpert. Davis spielt sie ungeheuer realistisch: Die langsam älter werdende Margo Channing. Der zynisch-manipulative Theater-Kritiker Addison DeWitt (George Sanders) führt uns ein in das Geschehen. Er verkündet den neuen Star am Theaterhimmel, Eve Harrington (Anne Baxter), unterstützt von ihrem Regisseur, ihrem Autoren und dessen Frau - und von dem Idol, dass Eve kannibalisierte: Margo. Der Film zeichnet Margo als besondere Person, Eve dagegen als einen Typus. Eve, ein fanatischer Fan mit verlogener Aufrichtigkeit, die in Margos Kreis dringt, ihre Stellvertreterin wird und schliesslich ihre Rivalin. Verlogene Menschlichkeit gepaart mit Pathos, die Rolle ihres Lebens! Nur eine einzige Person durchschaut sie, Margos Garderoben-Frau Birdie (Thelma Ritter): "Everything but the bloodhounds snappin' at her rear end." Margo aber glaubt Eve die tiefe Anbetung und ihr Lebensschicksal, doch schon bald versucht die Neue, Margo den Mann auszuspannen. Eve, ein universaler Typ. Margo dagegen ist echt, kein Exhibitionist, sondern eine Frau, die ihre Arbeit liebt. Am Rande von All About Eve erleben wir übrigens das Erblühen des neuen Stars Marilyn Monroe, die zu diesem Zeitpunkt schon voll und ganz "Monroe" war. Obwohl ihre Rolle klein ist, fällt sie sofort auf - nur durch das Prisma des späteren Legenden-Status? Ich denke nicht, denn Rezensionen aus der Zeit heben sie klar hervor. Inspiriert wurde die Rolle von Bette Davis durch das reale Vorbild Tallulah Bankheads. Regisseur Mankiewicz betont das in dem Buch More About All About Eve. Die Stärke und Schwäche des Films gleichermassen, das ist Anne Baxter als Eve. Ihre Figur lässt alle Eigenschaften vermissen, die sie als plausible Rivalin von Margo erscheinen lassen könnten. Mankiewicz zeigt uns wohlweislich keine einzige Vorstellung von Eve, überlässt alles unserer Vorstellungskraft. Wie mag dieses Mädchen wohl wirken, deren Blick etwas zu angestrengt wirkt und deren Anstand verdächtig scheint?
Our Daily Free Stream: Bette Davis - All About Eve. Zum Geburtstag von Bette Davis! - Älter zu werden bedeutete eine kluge Entscheidung für die Karriere von Bette Davis, deren Image schon immer hart und kantig war. Erwachsen waren ihr Figuren immer, naiv nie. Davis verkörperte professionelle Anführer, Überlebende oder Raubtiere in Frauengestalt. Margo Channing in "All About Eve" (1950) aber stellte ihre grösste Rolle dar! Margo schien ein Zugeständnis von Davis Unterlegenheit gegenüber der nachfolgenden Generation zu symbolisieren, in Wahrheit aber war es ein Sieg: Der Triumph starker Persönlichkeit über Schönheit! Eine persönlichere Rolle hatte Davis nie verkörpert. Davis spielt sie ungeheuer realistisch: Die langsam älter werdende Margo Channing. Der zynisch-manipulative Theater-Kritiker Addison DeWitt (George Sanders) führt uns ein in das Geschehen. Er verkündet den neuen Star am Theaterhimmel, Eve Harrington (Anne Baxter), unterstützt von ihrem Regisseur, ihrem Autoren und dessen Frau - und von dem Idol, dass Eve kannibalisierte: Margo. Der Film zeichnet Margo als besondere Person, Eve dagegen als einen Typus. Eve, ein fanatischer Fan mit verlogener Aufrichtigkeit, die in Margos Kreis dringt, ihre Stellvertreterin wird und schliesslich ihre Rivalin. Verlogene Menschlichkeit gepaart mit Pathos, die Rolle ihres Lebens! Nur eine einzige Person durchschaut sie, Margos Garderoben-Frau Birdie (Thelma Ritter): "Everything but the bloodhounds snappin' at her rear end." Margo aber glaubt Eve die tiefe Anbetung und ihr Lebensschicksal, doch schon bald versucht die Neue, Margo den Mann auszuspannen. Eve, ein universaler Typ. Margo dagegen ist echt, kein Exhibitionist, sondern eine Frau, die ihre Arbeit liebt. Am Rande von All About Eve erleben wir übrigens das Erblühen des neuen Stars Marilyn Monroe, die zu diesem Zeitpunkt schon voll und ganz "Monroe" war. Obwohl ihre Rolle klein ist, fällt sie sofort auf - nur durch das Prisma des späteren Legenden-Status? Ich denke nicht, denn Rezensionen aus der Zeit heben sie klar hervor. Inspiriert wurde die Rolle von Bette Davis durch das reale Vorbild Tallulah Bankheads. Regisseur Mankiewicz betont das in dem Buch More About All About Eve. Die Stärke und Schwäche des Films gleichermassen, das ist Anne Baxter als Eve. Ihre Figur lässt alle Eigenschaften vermissen, die sie als plausible Rivalin von Margo erscheinen lassen könnten. Mankiewicz zeigt uns wohlweislich keine einzige Vorstellung von Eve, überlässt alles unserer Vorstellungskraft. Wie mag dieses Mädchen wohl wirken, deren Blick etwas zu angestrengt wirkt und deren Anstand verdächtig scheint?
Dienstag, 5. April 2016
Our Daily Free Stream: John Hughes - 16 Candles.
Our Daily Free Stream: John Hughes - 16 Candles. Kennt ihr noch Anthony Michael Hall, denn Geek aus den John Hughes Filmen (siehe Foto!)? In unzähligen Filmen hat er mitgewirkt und letztens erkannte ich ihn wieder in Bujalkis Results. Deshalb wollte ich 16 Candles wieder sehen: Sam passieren die schlimmsten Dinge, die ein Teenager mit 16 erleben kann: Ihre Grosseltern streuen Salz in die Wunden ihres geringen Busen-Wachstums; ihre gesamte Familie vergisst den Geburtstag, weil die Schwester einen öligen Osteuropäer heiratet; ihr Traum-Mann ist ein paar Semster älter und vergeben (scheinbar!) - dafür verfolgt sie ein junger Geek, ein Freshman! John Hughes filmt Teenager so, wie sie auch im Leben sind. 16 Candles ist keine Teenie-Klamotte, sondern einfühlsam und romantisch. Molly Ringwald spielt die Rolle der Sam, dass bestimmt jedes Mädchen ein Teil ihrer selbst in Sam entdeckt. Umgeben ist sie von skurrilen Grosseltern, einem dicken und gemeinen Bruder und jeder Menge Vollidioten. Hughes hält aber immer die Balance zwischen Party Slapstick und schüchternen Annäherungsversuchen des Paares. Sein Ensemble hält Hughes traumwandlerisch sicher zusammen und nie führt eine seiner Ideen weg von der Liebesgeschichte. So wild 16 Candles auch inszeniert zu sein scheint, in Wahrheit ist Hughes Film sehr treffsicher. Waren wir auch mal so? Sicher!
Our Daily Free Stream: John Hughes - 16 Candles. Kennt ihr noch Anthony Michael Hall, denn Geek aus den John Hughes Filmen (siehe Foto!)? In unzähligen Filmen hat er mitgewirkt und letztens erkannte ich ihn wieder in Bujalkis Results. Deshalb wollte ich 16 Candles wieder sehen: Sam passieren die schlimmsten Dinge, die ein Teenager mit 16 erleben kann: Ihre Grosseltern streuen Salz in die Wunden ihres geringen Busen-Wachstums; ihre gesamte Familie vergisst den Geburtstag, weil die Schwester einen öligen Osteuropäer heiratet; ihr Traum-Mann ist ein paar Semster älter und vergeben (scheinbar!) - dafür verfolgt sie ein junger Geek, ein Freshman! John Hughes filmt Teenager so, wie sie auch im Leben sind. 16 Candles ist keine Teenie-Klamotte, sondern einfühlsam und romantisch. Molly Ringwald spielt die Rolle der Sam, dass bestimmt jedes Mädchen ein Teil ihrer selbst in Sam entdeckt. Umgeben ist sie von skurrilen Grosseltern, einem dicken und gemeinen Bruder und jeder Menge Vollidioten. Hughes hält aber immer die Balance zwischen Party Slapstick und schüchternen Annäherungsversuchen des Paares. Sein Ensemble hält Hughes traumwandlerisch sicher zusammen und nie führt eine seiner Ideen weg von der Liebesgeschichte. So wild 16 Candles auch inszeniert zu sein scheint, in Wahrheit ist Hughes Film sehr treffsicher. Waren wir auch mal so? Sicher!
Montag, 4. April 2016
Our Daily Free Stream: Wristcutters (german dubbed).
Our Daily Free Stream: Wristcutters (german dubbed). Was macht eigentlich Goran Dukic, dessen Debüt bei uns weg geht wie warme Semmeln? Wristcutters, ein Dauerbrenner seit zehn Jahren in der Videothek! Seitdem gabs noch einen Kurzfilm What Do We Have in Our Pockets? und die phantastische Serie Pocivali u miru über die dunklen Geheimnisse ganz normaler Menschen. Heute als Stream: Wristcutters. - Wie sieht ein Leben nach dem Tod aus, ohne Himmel oder Hölle zu berücksichtigen? Das Zwischenreich sieht aus wie eine abgewirtschaftete Industriegegend, in der nichts funktioniert, in der es keine Jobs gibt und das Essen nicht schmeckt. Jeder der dort lebt, hat Selbstmord verübt. Es sieht auch ganz danach aus, als hätte niemand dort Sex! Womöglich aus theologischen Gründen? Wie könnte ein Kind geboren werden im Land der Toten? Wie würde es seinen Vater mit einem Loch im Schädel lieben lernen? Wristcutters: A Love Story ist bestens besetzt mit Patrick Fugit als Zia, der von seiner Freundin Desiree (Leslie Bibb) verlassen wurde und sich die Handgelenke aufschnitt. Ein Wristcutter eben. Das Leben aber spielte ihm einen Streich: Er starb nicht, sondern landete im selben Leben wie zuvor, nur noch trostloser, umgeben von suizidalen Menschen. Einer von ihnen, Eugene (Shea Whigham), wird Zias neuer Freund. Eugene war früher ein russischer Rocker, der ein Mal ins Publikum pisste und an einem elektrischen Schlag starb. Nun hört Zia, dass sich Desiree ebenfalls umbrachte, also auch auf dieser Seite des "Lebens" weilen muss. Zia und Eugene heuern deshalb Mikal (Shannyn Sossamon) an, um das ganze Land der Toten abzusuchen. Ein Road Movie der nicht ganz Toten! Auf der Road To Nowhere warten immerhin Typen wie Tom Waits, der einer Kommune der ausgestossenen vorsteht... Die Idee des betrügerischen Nachlebens hat etwas Faszinierendes: Das Elend hört nicht auf, sondern beginnt nach dem Selbstmord erst so richtig. Für Zia hält es immerhin einen Job bei Kamikaze Pizza bereit. Wohlbemerkt, Wristcutters ist keine Komödie, in der man schallend loslachen möchte. Hier ist alles bittersüss temperiert und von wehmütigem Humor durchtrieben. Goran Dukic hat da sein ganz eigenes Genre erfunden und einen eigenen Typ des Todes: Post Suizidal. (Dazu gibts unsere Film List Afterlife auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de
Our Daily Free Stream: Wristcutters (german dubbed). Was macht eigentlich Goran Dukic, dessen Debüt bei uns weg geht wie warme Semmeln? Wristcutters, ein Dauerbrenner seit zehn Jahren in der Videothek! Seitdem gabs noch einen Kurzfilm What Do We Have in Our Pockets? und die phantastische Serie Pocivali u miru über die dunklen Geheimnisse ganz normaler Menschen. Heute als Stream: Wristcutters. - Wie sieht ein Leben nach dem Tod aus, ohne Himmel oder Hölle zu berücksichtigen? Das Zwischenreich sieht aus wie eine abgewirtschaftete Industriegegend, in der nichts funktioniert, in der es keine Jobs gibt und das Essen nicht schmeckt. Jeder der dort lebt, hat Selbstmord verübt. Es sieht auch ganz danach aus, als hätte niemand dort Sex! Womöglich aus theologischen Gründen? Wie könnte ein Kind geboren werden im Land der Toten? Wie würde es seinen Vater mit einem Loch im Schädel lieben lernen? Wristcutters: A Love Story ist bestens besetzt mit Patrick Fugit als Zia, der von seiner Freundin Desiree (Leslie Bibb) verlassen wurde und sich die Handgelenke aufschnitt. Ein Wristcutter eben. Das Leben aber spielte ihm einen Streich: Er starb nicht, sondern landete im selben Leben wie zuvor, nur noch trostloser, umgeben von suizidalen Menschen. Einer von ihnen, Eugene (Shea Whigham), wird Zias neuer Freund. Eugene war früher ein russischer Rocker, der ein Mal ins Publikum pisste und an einem elektrischen Schlag starb. Nun hört Zia, dass sich Desiree ebenfalls umbrachte, also auch auf dieser Seite des "Lebens" weilen muss. Zia und Eugene heuern deshalb Mikal (Shannyn Sossamon) an, um das ganze Land der Toten abzusuchen. Ein Road Movie der nicht ganz Toten! Auf der Road To Nowhere warten immerhin Typen wie Tom Waits, der einer Kommune der ausgestossenen vorsteht... Die Idee des betrügerischen Nachlebens hat etwas Faszinierendes: Das Elend hört nicht auf, sondern beginnt nach dem Selbstmord erst so richtig. Für Zia hält es immerhin einen Job bei Kamikaze Pizza bereit. Wohlbemerkt, Wristcutters ist keine Komödie, in der man schallend loslachen möchte. Hier ist alles bittersüss temperiert und von wehmütigem Humor durchtrieben. Goran Dukic hat da sein ganz eigenes Genre erfunden und einen eigenen Typ des Todes: Post Suizidal. (Dazu gibts unsere Film List Afterlife auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de
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