Dänemark Filmauswahl 2015-16
Nicht einmal sechs Millionen Einwohner zählt Dänemark, aber ein nahezu
unerschöpfliches Reservoir an Filmemachern und Schauspielern. Von hier
aus strömen sie in die grossen internationalen Filmproduktionen, kehren
aber auch immer wieder zurück in die Heimat. In diesem Monat laufen
gleich eine Handvoll toller Filme an: Allen voran A War von Tobias
Lindholm, Unter dem Sand von Martin Zandflieht und Thomas Vinterbergs
Die Kommune. In unserem DVD Neuheiten Regal glänzt Anders Thomas Jensens
Men & Chicken mit Mads Mikkelsen und wir warten gespannt auf
Nicolas Winding Refns The Neon Demon. Die Drehbücher für seine eigenen
Filme, die bezeichnet Anders Thomas Jensen als Spielwiese, auf der alles
möglich sei. Am liebsten der Genre-Mix, seine grösste Vorliebe! Genre
kann er auch und schreibt regelmässig für Susanne Bier oder Lone
Scherfig, die ursprünglich aus der DOGMA Bewegung kommen. Jensen mag
aber auch das Gegenteil von Dogma und die zelebriert er in Men &
Chicken mit seinem maroden Bauernhof. Ein Szenario wie das von Lars von
Triers Antichrist, denn hier scheint alles möglich! Kunst und
Unterhaltung werden hier nicht als Widerspruch begriffen. Das würde ganz
bestimmt auch Winding Refn unterschreiben mit seinen Anschlägen auf
unsere Sinne! Nach der Pusher Trilogie, die den Untergang eines
Kobenhagner Drogendealers besiegelt, inszenierte er Trips in die
männliche Wahrnehmung wie Walhalla Rising oder sein Hollywood Debüt
Drive. Offensichtlich sind dänische Filmemacher auch wild und
unangepasst! Jensen erinnert sich an die Zeit der DOGMA Filme als der
dänische Konsul nur Filme fördern wollte, die ohne Gewalt auskommen:
Deshalb sieht man in seiner Action Komödie In China essen sie Hunde in
jeder Szene Waffen. Ohne grosses Budget, selbst bezahlt, wurde der Film
ein ungeheurer Erfolg und markierte den Beginn einer ganzen Welle
solcher Gangster-Komödien. Für Jensen ist ein Drehbuch kein
Kunstprodukt, sondern hat fertig gestellt zu werden als Arbeitswerkzeug.
Im Grunde ist das eine amerikanische Einstellung und wohl deshalb fällt
dänischen Filmemachern der Sprung nach Hollywood so leicht! Ganz
selbstverständlich werden Kriegsfilme, Western und Thriller in dem
kleinen Land gefertigt. Daneben Post-Dogma Filme und Arthaus
Produktionen. Eine funktionierende Filmindustrie und nicht nur ein Loch
für Filmfördergelder! Und wie geht man mit den reaktionären Tendenzen in
der dänischen Politik neuerdings um? Subversiv und kreativ - so wie
immer schon! Hier kommt unsere auswahl dänischer Produktionen aus den
Jahren 2015-2016.
Wir sind Bar UND Videothek. Cinegeek.de ist unser Social Network für besondere Filme, aufbauend auf unserer Filmkunstbar Fitzcarraldo. Hier findest du unseren DVD Katalog, den wir, die Videothekare und ihr, die Kunden, gemeinsam zusammengestellt haben (klick auf "Featured Movies"). Darüber hinaus haben wir alle Empfehlungen als "Film Lists" veröffentlicht.
Mittwoch, 6. April 2016
Our Daily Free Stream: Bette Davis - All About Eve.
Our Daily Free Stream: Bette Davis - All About Eve. Zum Geburtstag von Bette Davis! - Älter zu werden bedeutete eine kluge Entscheidung für die Karriere von Bette Davis, deren Image schon immer hart und kantig war. Erwachsen waren ihr Figuren immer, naiv nie. Davis verkörperte professionelle Anführer, Überlebende oder Raubtiere in Frauengestalt. Margo Channing in "All About Eve" (1950) aber stellte ihre grösste Rolle dar! Margo schien ein Zugeständnis von Davis Unterlegenheit gegenüber der nachfolgenden Generation zu symbolisieren, in Wahrheit aber war es ein Sieg: Der Triumph starker Persönlichkeit über Schönheit! Eine persönlichere Rolle hatte Davis nie verkörpert. Davis spielt sie ungeheuer realistisch: Die langsam älter werdende Margo Channing. Der zynisch-manipulative Theater-Kritiker Addison DeWitt (George Sanders) führt uns ein in das Geschehen. Er verkündet den neuen Star am Theaterhimmel, Eve Harrington (Anne Baxter), unterstützt von ihrem Regisseur, ihrem Autoren und dessen Frau - und von dem Idol, dass Eve kannibalisierte: Margo. Der Film zeichnet Margo als besondere Person, Eve dagegen als einen Typus. Eve, ein fanatischer Fan mit verlogener Aufrichtigkeit, die in Margos Kreis dringt, ihre Stellvertreterin wird und schliesslich ihre Rivalin. Verlogene Menschlichkeit gepaart mit Pathos, die Rolle ihres Lebens! Nur eine einzige Person durchschaut sie, Margos Garderoben-Frau Birdie (Thelma Ritter): "Everything but the bloodhounds snappin' at her rear end." Margo aber glaubt Eve die tiefe Anbetung und ihr Lebensschicksal, doch schon bald versucht die Neue, Margo den Mann auszuspannen. Eve, ein universaler Typ. Margo dagegen ist echt, kein Exhibitionist, sondern eine Frau, die ihre Arbeit liebt. Am Rande von All About Eve erleben wir übrigens das Erblühen des neuen Stars Marilyn Monroe, die zu diesem Zeitpunkt schon voll und ganz "Monroe" war. Obwohl ihre Rolle klein ist, fällt sie sofort auf - nur durch das Prisma des späteren Legenden-Status? Ich denke nicht, denn Rezensionen aus der Zeit heben sie klar hervor. Inspiriert wurde die Rolle von Bette Davis durch das reale Vorbild Tallulah Bankheads. Regisseur Mankiewicz betont das in dem Buch More About All About Eve. Die Stärke und Schwäche des Films gleichermassen, das ist Anne Baxter als Eve. Ihre Figur lässt alle Eigenschaften vermissen, die sie als plausible Rivalin von Margo erscheinen lassen könnten. Mankiewicz zeigt uns wohlweislich keine einzige Vorstellung von Eve, überlässt alles unserer Vorstellungskraft. Wie mag dieses Mädchen wohl wirken, deren Blick etwas zu angestrengt wirkt und deren Anstand verdächtig scheint?
Our Daily Free Stream: Bette Davis - All About Eve. Zum Geburtstag von Bette Davis! - Älter zu werden bedeutete eine kluge Entscheidung für die Karriere von Bette Davis, deren Image schon immer hart und kantig war. Erwachsen waren ihr Figuren immer, naiv nie. Davis verkörperte professionelle Anführer, Überlebende oder Raubtiere in Frauengestalt. Margo Channing in "All About Eve" (1950) aber stellte ihre grösste Rolle dar! Margo schien ein Zugeständnis von Davis Unterlegenheit gegenüber der nachfolgenden Generation zu symbolisieren, in Wahrheit aber war es ein Sieg: Der Triumph starker Persönlichkeit über Schönheit! Eine persönlichere Rolle hatte Davis nie verkörpert. Davis spielt sie ungeheuer realistisch: Die langsam älter werdende Margo Channing. Der zynisch-manipulative Theater-Kritiker Addison DeWitt (George Sanders) führt uns ein in das Geschehen. Er verkündet den neuen Star am Theaterhimmel, Eve Harrington (Anne Baxter), unterstützt von ihrem Regisseur, ihrem Autoren und dessen Frau - und von dem Idol, dass Eve kannibalisierte: Margo. Der Film zeichnet Margo als besondere Person, Eve dagegen als einen Typus. Eve, ein fanatischer Fan mit verlogener Aufrichtigkeit, die in Margos Kreis dringt, ihre Stellvertreterin wird und schliesslich ihre Rivalin. Verlogene Menschlichkeit gepaart mit Pathos, die Rolle ihres Lebens! Nur eine einzige Person durchschaut sie, Margos Garderoben-Frau Birdie (Thelma Ritter): "Everything but the bloodhounds snappin' at her rear end." Margo aber glaubt Eve die tiefe Anbetung und ihr Lebensschicksal, doch schon bald versucht die Neue, Margo den Mann auszuspannen. Eve, ein universaler Typ. Margo dagegen ist echt, kein Exhibitionist, sondern eine Frau, die ihre Arbeit liebt. Am Rande von All About Eve erleben wir übrigens das Erblühen des neuen Stars Marilyn Monroe, die zu diesem Zeitpunkt schon voll und ganz "Monroe" war. Obwohl ihre Rolle klein ist, fällt sie sofort auf - nur durch das Prisma des späteren Legenden-Status? Ich denke nicht, denn Rezensionen aus der Zeit heben sie klar hervor. Inspiriert wurde die Rolle von Bette Davis durch das reale Vorbild Tallulah Bankheads. Regisseur Mankiewicz betont das in dem Buch More About All About Eve. Die Stärke und Schwäche des Films gleichermassen, das ist Anne Baxter als Eve. Ihre Figur lässt alle Eigenschaften vermissen, die sie als plausible Rivalin von Margo erscheinen lassen könnten. Mankiewicz zeigt uns wohlweislich keine einzige Vorstellung von Eve, überlässt alles unserer Vorstellungskraft. Wie mag dieses Mädchen wohl wirken, deren Blick etwas zu angestrengt wirkt und deren Anstand verdächtig scheint?
Dienstag, 5. April 2016
Our Daily Free Stream: John Hughes - 16 Candles.
Our Daily Free Stream: John Hughes - 16 Candles. Kennt ihr noch Anthony Michael Hall, denn Geek aus den John Hughes Filmen (siehe Foto!)? In unzähligen Filmen hat er mitgewirkt und letztens erkannte ich ihn wieder in Bujalkis Results. Deshalb wollte ich 16 Candles wieder sehen: Sam passieren die schlimmsten Dinge, die ein Teenager mit 16 erleben kann: Ihre Grosseltern streuen Salz in die Wunden ihres geringen Busen-Wachstums; ihre gesamte Familie vergisst den Geburtstag, weil die Schwester einen öligen Osteuropäer heiratet; ihr Traum-Mann ist ein paar Semster älter und vergeben (scheinbar!) - dafür verfolgt sie ein junger Geek, ein Freshman! John Hughes filmt Teenager so, wie sie auch im Leben sind. 16 Candles ist keine Teenie-Klamotte, sondern einfühlsam und romantisch. Molly Ringwald spielt die Rolle der Sam, dass bestimmt jedes Mädchen ein Teil ihrer selbst in Sam entdeckt. Umgeben ist sie von skurrilen Grosseltern, einem dicken und gemeinen Bruder und jeder Menge Vollidioten. Hughes hält aber immer die Balance zwischen Party Slapstick und schüchternen Annäherungsversuchen des Paares. Sein Ensemble hält Hughes traumwandlerisch sicher zusammen und nie führt eine seiner Ideen weg von der Liebesgeschichte. So wild 16 Candles auch inszeniert zu sein scheint, in Wahrheit ist Hughes Film sehr treffsicher. Waren wir auch mal so? Sicher!
Our Daily Free Stream: John Hughes - 16 Candles. Kennt ihr noch Anthony Michael Hall, denn Geek aus den John Hughes Filmen (siehe Foto!)? In unzähligen Filmen hat er mitgewirkt und letztens erkannte ich ihn wieder in Bujalkis Results. Deshalb wollte ich 16 Candles wieder sehen: Sam passieren die schlimmsten Dinge, die ein Teenager mit 16 erleben kann: Ihre Grosseltern streuen Salz in die Wunden ihres geringen Busen-Wachstums; ihre gesamte Familie vergisst den Geburtstag, weil die Schwester einen öligen Osteuropäer heiratet; ihr Traum-Mann ist ein paar Semster älter und vergeben (scheinbar!) - dafür verfolgt sie ein junger Geek, ein Freshman! John Hughes filmt Teenager so, wie sie auch im Leben sind. 16 Candles ist keine Teenie-Klamotte, sondern einfühlsam und romantisch. Molly Ringwald spielt die Rolle der Sam, dass bestimmt jedes Mädchen ein Teil ihrer selbst in Sam entdeckt. Umgeben ist sie von skurrilen Grosseltern, einem dicken und gemeinen Bruder und jeder Menge Vollidioten. Hughes hält aber immer die Balance zwischen Party Slapstick und schüchternen Annäherungsversuchen des Paares. Sein Ensemble hält Hughes traumwandlerisch sicher zusammen und nie führt eine seiner Ideen weg von der Liebesgeschichte. So wild 16 Candles auch inszeniert zu sein scheint, in Wahrheit ist Hughes Film sehr treffsicher. Waren wir auch mal so? Sicher!
Montag, 4. April 2016
Our Daily Free Stream: Wristcutters (german dubbed).
Our Daily Free Stream: Wristcutters (german dubbed). Was macht eigentlich Goran Dukic, dessen Debüt bei uns weg geht wie warme Semmeln? Wristcutters, ein Dauerbrenner seit zehn Jahren in der Videothek! Seitdem gabs noch einen Kurzfilm What Do We Have in Our Pockets? und die phantastische Serie Pocivali u miru über die dunklen Geheimnisse ganz normaler Menschen. Heute als Stream: Wristcutters. - Wie sieht ein Leben nach dem Tod aus, ohne Himmel oder Hölle zu berücksichtigen? Das Zwischenreich sieht aus wie eine abgewirtschaftete Industriegegend, in der nichts funktioniert, in der es keine Jobs gibt und das Essen nicht schmeckt. Jeder der dort lebt, hat Selbstmord verübt. Es sieht auch ganz danach aus, als hätte niemand dort Sex! Womöglich aus theologischen Gründen? Wie könnte ein Kind geboren werden im Land der Toten? Wie würde es seinen Vater mit einem Loch im Schädel lieben lernen? Wristcutters: A Love Story ist bestens besetzt mit Patrick Fugit als Zia, der von seiner Freundin Desiree (Leslie Bibb) verlassen wurde und sich die Handgelenke aufschnitt. Ein Wristcutter eben. Das Leben aber spielte ihm einen Streich: Er starb nicht, sondern landete im selben Leben wie zuvor, nur noch trostloser, umgeben von suizidalen Menschen. Einer von ihnen, Eugene (Shea Whigham), wird Zias neuer Freund. Eugene war früher ein russischer Rocker, der ein Mal ins Publikum pisste und an einem elektrischen Schlag starb. Nun hört Zia, dass sich Desiree ebenfalls umbrachte, also auch auf dieser Seite des "Lebens" weilen muss. Zia und Eugene heuern deshalb Mikal (Shannyn Sossamon) an, um das ganze Land der Toten abzusuchen. Ein Road Movie der nicht ganz Toten! Auf der Road To Nowhere warten immerhin Typen wie Tom Waits, der einer Kommune der ausgestossenen vorsteht... Die Idee des betrügerischen Nachlebens hat etwas Faszinierendes: Das Elend hört nicht auf, sondern beginnt nach dem Selbstmord erst so richtig. Für Zia hält es immerhin einen Job bei Kamikaze Pizza bereit. Wohlbemerkt, Wristcutters ist keine Komödie, in der man schallend loslachen möchte. Hier ist alles bittersüss temperiert und von wehmütigem Humor durchtrieben. Goran Dukic hat da sein ganz eigenes Genre erfunden und einen eigenen Typ des Todes: Post Suizidal. (Dazu gibts unsere Film List Afterlife auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de
Our Daily Free Stream: Wristcutters (german dubbed). Was macht eigentlich Goran Dukic, dessen Debüt bei uns weg geht wie warme Semmeln? Wristcutters, ein Dauerbrenner seit zehn Jahren in der Videothek! Seitdem gabs noch einen Kurzfilm What Do We Have in Our Pockets? und die phantastische Serie Pocivali u miru über die dunklen Geheimnisse ganz normaler Menschen. Heute als Stream: Wristcutters. - Wie sieht ein Leben nach dem Tod aus, ohne Himmel oder Hölle zu berücksichtigen? Das Zwischenreich sieht aus wie eine abgewirtschaftete Industriegegend, in der nichts funktioniert, in der es keine Jobs gibt und das Essen nicht schmeckt. Jeder der dort lebt, hat Selbstmord verübt. Es sieht auch ganz danach aus, als hätte niemand dort Sex! Womöglich aus theologischen Gründen? Wie könnte ein Kind geboren werden im Land der Toten? Wie würde es seinen Vater mit einem Loch im Schädel lieben lernen? Wristcutters: A Love Story ist bestens besetzt mit Patrick Fugit als Zia, der von seiner Freundin Desiree (Leslie Bibb) verlassen wurde und sich die Handgelenke aufschnitt. Ein Wristcutter eben. Das Leben aber spielte ihm einen Streich: Er starb nicht, sondern landete im selben Leben wie zuvor, nur noch trostloser, umgeben von suizidalen Menschen. Einer von ihnen, Eugene (Shea Whigham), wird Zias neuer Freund. Eugene war früher ein russischer Rocker, der ein Mal ins Publikum pisste und an einem elektrischen Schlag starb. Nun hört Zia, dass sich Desiree ebenfalls umbrachte, also auch auf dieser Seite des "Lebens" weilen muss. Zia und Eugene heuern deshalb Mikal (Shannyn Sossamon) an, um das ganze Land der Toten abzusuchen. Ein Road Movie der nicht ganz Toten! Auf der Road To Nowhere warten immerhin Typen wie Tom Waits, der einer Kommune der ausgestossenen vorsteht... Die Idee des betrügerischen Nachlebens hat etwas Faszinierendes: Das Elend hört nicht auf, sondern beginnt nach dem Selbstmord erst so richtig. Für Zia hält es immerhin einen Job bei Kamikaze Pizza bereit. Wohlbemerkt, Wristcutters ist keine Komödie, in der man schallend loslachen möchte. Hier ist alles bittersüss temperiert und von wehmütigem Humor durchtrieben. Goran Dukic hat da sein ganz eigenes Genre erfunden und einen eigenen Typ des Todes: Post Suizidal. (Dazu gibts unsere Film List Afterlife auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de
Sonntag, 3. April 2016
Our Daily Free Stream: Elia Kazan / Marlon Brando - Viva Zapata.
Our Daily Free Stream: Elia Kazan / Marlon Brando - Viva Zapata. Zum Geburtstag von Marlon Brando! Marlon Brando war nicht nur der einflussreichste Schauspieler in der Geschichte Hollywoods, manchmal war er auch einer der ärgerlichsten. Er spielte in einigen der grössten Filme aller Zeiten mit, aber ganz vergnügt auch in einigen der schlechtesten! Brando war ein Poet und in seinen letzten Jahren eine arme Sau. Eines blieb er aber immer: Unverkennbar, herausfordernd und brillant! Seht euch auf youtube mal alte TV Filme vor 1947 mit ihm an und vergleicht sie mit denen danach: Brandos Spiel wirkt wie ausgewechselt! 1947 spielte er am Broadway zum ersten Mal Stanley Kowalski und das muss etwas in ihm ausgelöst haben. Vielleicht durchbrach Brando eine Barriere - es wirkt so als ob er nicht nur sich selbst mit dieser Rolle befreien wollte, sondern Generationen von Schauspielern nach ihm! Man sagt, die Schauspiel-Lehrerin Stella Adler hätte Brandos Stil entwickelt. Es ist wahr, Brando lernte in den Actor Studios, doch Adler brauchte nur eine Woche, um zu verkünden, Brando sei der grösste der Actors! Vermutlich hat sie einfach als erste sein Potential erkannt. Dasselbe kann man von Elia Kazan behaupten, der die wichtigsten frühen Filme mit Brando inszenierte. Kazan schaffte es, den Bühnenschauspieler zu einem Hollywood Star zu machen (was nicht selbstverständlich war, denn zuvor hatten die Studiobosse Brando eine Nasen Operation angeraten, da er nicht das Aussehen eines Hollywood Stars hätte). Viva Zapata war der zweite Film, den Kazan mit Brando drehte. Im Mittelpunkt seht die historische Figur von Emiliano Zapata, einem der grossen Anführer der mexikanischen Revolution von 1910. Zapata, eine Ikone der Linken, wurde 1919 durch ein Attentat ermordet. Zapata wird von Brando gespielt und es fällt schwer, sich überhaupt jemand anderen in der Rolle vorzustellen. Für den Film hat man ihm die Augenlider hochgeschoben, damit er wie ein "echter" Mexikaner aussieht - doch Brando als Zapata sieht einfach nur wie Brando aus. Kazan inszenierte Viva Zapata kurz bevor er vor dem House Un-American Activities Committee aussagen musste (bekanntlich gab er zahlreiche Namen von Kollegen preis) und aus diesem Grund wirkt der Film wohl wie ein Mix aus linker Revolutions-Sehnsucht und amerikanischer Propaganda: "Up there they protect political refugees! Up there they're a democracy! Up there they have a president, but he governs with the consent of the people!", schwärmt Zapata vom Nachbarland. In Wahrheit mischten die Amerikaner kräftig mit in der mexikanischen Revolution, da Präsident William Howard Taft einen Gebietsanspruch der USA bis zum Panama Kanal zum Wahlkampfthema machte. Das Elend in Mexiko wurde von Präsident Diaz verschärft. Ein Bruchteil der Bevölkerung besass nahezu 100 Prozent des Grund und Bodens, zusätzlich forcierte Diaz, dass die mexikanische Wirtschaft im Grunde von der USA übernommen wurde. Kazan verkehrt solche Fakten der Revolution und macht daraus eine klassische Tragödie mit einem tragischen Helden, Brudermord und Verrat. Zapata führt die Bauern an gegen die Grossgrundbesitzer, in dem Moment aber, da die Revolution erfolgreich ist, nimmt Zapata selbst die Züge der vormals Herrschenden an. Um den tatsächlich grossartig gemachten Film geniessen zu können, sollte man einfach den geschichtlichen Hintergrund ignorieren. Offensichtlich verrät der Film mehr über seinen Drehbuch-Autoren John Steinbeck und den Regisseur Elia Kazan als über die mexikanische Revolution...
Our Daily Free Stream: Elia Kazan / Marlon Brando - Viva Zapata. Zum Geburtstag von Marlon Brando! Marlon Brando war nicht nur der einflussreichste Schauspieler in der Geschichte Hollywoods, manchmal war er auch einer der ärgerlichsten. Er spielte in einigen der grössten Filme aller Zeiten mit, aber ganz vergnügt auch in einigen der schlechtesten! Brando war ein Poet und in seinen letzten Jahren eine arme Sau. Eines blieb er aber immer: Unverkennbar, herausfordernd und brillant! Seht euch auf youtube mal alte TV Filme vor 1947 mit ihm an und vergleicht sie mit denen danach: Brandos Spiel wirkt wie ausgewechselt! 1947 spielte er am Broadway zum ersten Mal Stanley Kowalski und das muss etwas in ihm ausgelöst haben. Vielleicht durchbrach Brando eine Barriere - es wirkt so als ob er nicht nur sich selbst mit dieser Rolle befreien wollte, sondern Generationen von Schauspielern nach ihm! Man sagt, die Schauspiel-Lehrerin Stella Adler hätte Brandos Stil entwickelt. Es ist wahr, Brando lernte in den Actor Studios, doch Adler brauchte nur eine Woche, um zu verkünden, Brando sei der grösste der Actors! Vermutlich hat sie einfach als erste sein Potential erkannt. Dasselbe kann man von Elia Kazan behaupten, der die wichtigsten frühen Filme mit Brando inszenierte. Kazan schaffte es, den Bühnenschauspieler zu einem Hollywood Star zu machen (was nicht selbstverständlich war, denn zuvor hatten die Studiobosse Brando eine Nasen Operation angeraten, da er nicht das Aussehen eines Hollywood Stars hätte). Viva Zapata war der zweite Film, den Kazan mit Brando drehte. Im Mittelpunkt seht die historische Figur von Emiliano Zapata, einem der grossen Anführer der mexikanischen Revolution von 1910. Zapata, eine Ikone der Linken, wurde 1919 durch ein Attentat ermordet. Zapata wird von Brando gespielt und es fällt schwer, sich überhaupt jemand anderen in der Rolle vorzustellen. Für den Film hat man ihm die Augenlider hochgeschoben, damit er wie ein "echter" Mexikaner aussieht - doch Brando als Zapata sieht einfach nur wie Brando aus. Kazan inszenierte Viva Zapata kurz bevor er vor dem House Un-American Activities Committee aussagen musste (bekanntlich gab er zahlreiche Namen von Kollegen preis) und aus diesem Grund wirkt der Film wohl wie ein Mix aus linker Revolutions-Sehnsucht und amerikanischer Propaganda: "Up there they protect political refugees! Up there they're a democracy! Up there they have a president, but he governs with the consent of the people!", schwärmt Zapata vom Nachbarland. In Wahrheit mischten die Amerikaner kräftig mit in der mexikanischen Revolution, da Präsident William Howard Taft einen Gebietsanspruch der USA bis zum Panama Kanal zum Wahlkampfthema machte. Das Elend in Mexiko wurde von Präsident Diaz verschärft. Ein Bruchteil der Bevölkerung besass nahezu 100 Prozent des Grund und Bodens, zusätzlich forcierte Diaz, dass die mexikanische Wirtschaft im Grunde von der USA übernommen wurde. Kazan verkehrt solche Fakten der Revolution und macht daraus eine klassische Tragödie mit einem tragischen Helden, Brudermord und Verrat. Zapata führt die Bauern an gegen die Grossgrundbesitzer, in dem Moment aber, da die Revolution erfolgreich ist, nimmt Zapata selbst die Züge der vormals Herrschenden an. Um den tatsächlich grossartig gemachten Film geniessen zu können, sollte man einfach den geschichtlichen Hintergrund ignorieren. Offensichtlich verrät der Film mehr über seinen Drehbuch-Autoren John Steinbeck und den Regisseur Elia Kazan als über die mexikanische Revolution...
Samstag, 2. April 2016
Our Daily Free Stream: Tropa De Elite (engl. subt.)
Our Daily Free Stream: Tropa De Elite (engl. subt.). Immer wieder machen südamerikanische Thriller von sich aufmerksam. Zuletzt Heli, zuvor Miss Bala. Alle folgen dem brasilianischen Cop-Thriller von Jose Padilha, den wir heute zeigen: Tropa De Elite ist ein brasilianischer Thriller, so voller Wut, ja Hass und mit explizit politischer Thematik, dass seine blosse Existenz wie ein kleines Wunder wirkt! Nicht zuletzt: Tropa De Elite ist einer der grössten Erfolge des brasilianischen (und südamerikanischen) Kinos überhaupt! Die faschistoiden Cops aus dem Hollywood Kino der 80er, die im Namen der Rache agierten, sie sind nichts gegen die Elite der Polizei in Rio De Janeiro! Im Grunde ist das hier klassische Cop Exploitation, in der nichts zu sadistisch oder hässlich wäre! Jose Padilha taucht ein in die Eingeweide der Stadt, die von Elend, Drogen und Gewalt durchwuchert werden. Auf der einen Seite die Studenten aus der Mittelschicht, die sich zwar sozial engagieren, aber trotzdem Party-Drogen kaufen. Auf der anderen Seite der Ich-Erzähler, Chef der Elite Truppe der Polizei, deren Zeichen ein von Messern durchkreuzter Totenkopf ist. Sein Einsatzgebiet sind die Favelas von Rio. Captain Nascimento will den Dienst quittieren, seine Hände zittern, die Nerven liegen blank. Fehler unterlaufen ihm, ein Kind wird getötet und die Mutter tritt an ihn heran, mit der Bitte, den Leichnam zu bergen. Zu Hause stellt seine schwangere Frau Ansprüche, die er nicht erfüllen kann. Seine Nachfolger werden wie alle der Einheit einem brutalen Auswahlverfahren unterzogen, sie scheinen jedoch persönlich ungeeignet und dem korrupten System verhaftet. Zwölf Millionen Kinobesucher wollten dieses pessimistische Werk sehen. Es verstört mit hartem Sound und nackter Gewalt, bietet keinerlei Lösungen an und wirkt in der Komfortzone des politischen Kinos wie ein Störfaktor. "For nearly two hours, Padilha bombards viewers with senseless, sickening violence for its own sake.", schrieb V.A. Musetto / New York Post. Tropa De Elite wurden sogar faschistoide Tendenzen unterstellt! Ich denke, das mag am Mix der kraftvoll beklemmden Bilder zwischen Action und Aufklärung liegen. Ich denke, dass man dem Film seine grösste Qualität übel nahm: Die reisserische Inszenierung, so dass mir selbst die Hände zitterten! (Dazu gibts unsere Film List mit den für unseren Geschmack spannendsten Cop Thrillers des World Cinema auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de)
Our Daily Free Stream: Tropa De Elite (engl. subt.). Immer wieder machen südamerikanische Thriller von sich aufmerksam. Zuletzt Heli, zuvor Miss Bala. Alle folgen dem brasilianischen Cop-Thriller von Jose Padilha, den wir heute zeigen: Tropa De Elite ist ein brasilianischer Thriller, so voller Wut, ja Hass und mit explizit politischer Thematik, dass seine blosse Existenz wie ein kleines Wunder wirkt! Nicht zuletzt: Tropa De Elite ist einer der grössten Erfolge des brasilianischen (und südamerikanischen) Kinos überhaupt! Die faschistoiden Cops aus dem Hollywood Kino der 80er, die im Namen der Rache agierten, sie sind nichts gegen die Elite der Polizei in Rio De Janeiro! Im Grunde ist das hier klassische Cop Exploitation, in der nichts zu sadistisch oder hässlich wäre! Jose Padilha taucht ein in die Eingeweide der Stadt, die von Elend, Drogen und Gewalt durchwuchert werden. Auf der einen Seite die Studenten aus der Mittelschicht, die sich zwar sozial engagieren, aber trotzdem Party-Drogen kaufen. Auf der anderen Seite der Ich-Erzähler, Chef der Elite Truppe der Polizei, deren Zeichen ein von Messern durchkreuzter Totenkopf ist. Sein Einsatzgebiet sind die Favelas von Rio. Captain Nascimento will den Dienst quittieren, seine Hände zittern, die Nerven liegen blank. Fehler unterlaufen ihm, ein Kind wird getötet und die Mutter tritt an ihn heran, mit der Bitte, den Leichnam zu bergen. Zu Hause stellt seine schwangere Frau Ansprüche, die er nicht erfüllen kann. Seine Nachfolger werden wie alle der Einheit einem brutalen Auswahlverfahren unterzogen, sie scheinen jedoch persönlich ungeeignet und dem korrupten System verhaftet. Zwölf Millionen Kinobesucher wollten dieses pessimistische Werk sehen. Es verstört mit hartem Sound und nackter Gewalt, bietet keinerlei Lösungen an und wirkt in der Komfortzone des politischen Kinos wie ein Störfaktor. "For nearly two hours, Padilha bombards viewers with senseless, sickening violence for its own sake.", schrieb V.A. Musetto / New York Post. Tropa De Elite wurden sogar faschistoide Tendenzen unterstellt! Ich denke, das mag am Mix der kraftvoll beklemmden Bilder zwischen Action und Aufklärung liegen. Ich denke, dass man dem Film seine grösste Qualität übel nahm: Die reisserische Inszenierung, so dass mir selbst die Hände zitterten! (Dazu gibts unsere Film List mit den für unseren Geschmack spannendsten Cop Thrillers des World Cinema auf der Empfehlungsseite unserer Videothek cinegeek.de)
Freitag, 1. April 2016
Our Daily Free Stream: Richard Linklater - Slacker.
Our Daily Free Stream: Richard Linklater - Slacker. Richard Linklater ist gerade dabei, aus seinem School Of Rock eine TV Serie zu machen. Ich denke, das wird was! Deshalb gibts heute sein tolles Debüt: Im Grunde ist es unmöglich, Richard Linklaters Film Slacker zu beschreiben, obwohl Linklaters Methode glasklar ist: Er will uns eine bestimmte Gruppe von Leuten zeigen an einem Tag zur selben Zeit. Linklater nennt diese Guppe "Slackers", wir kennen sie auch als "Hipster", "Bohemians" oder "Generation X". Es sind diejenigen, die ein Studentenleben führen und in Studentenstädten herumhängen. Obwohl der Film 1991 in Austin spielt, sieht das Szenario so aus wie ein ganz normaler Tag heute in Berlin Neukölln. Linklater zeigt eine Parallelwelt, in welcher der Kaffee immer nachgefüllt wird und sich die Protagonisten wundern, dass es überhaupt noch ein anderes Leben gibt ausserhalb des eigenem. Linklater beobachtet, hört auch zu, will sich aber nicht einlassen auf das Leben seiner Slacker. Vielleicht gesteht er ihnen deshalb auch keinen Plot zu? Ironischerweise kennt man seine Technik von den Surrealisten: Wir folgen einer Geschichte über die Länge einer Szene, um dann einfach in eine ganz andere zu wechseln. Beispiel? Ein Taxifahrer nimmt einen Kunden (Richard Linklater selbst) mit, der ihm etwas über seine Theorie einer parallelen Realität erzählt. Der Taxifahrer interessiert sich offensichtlich einen Dreck dafür. Szenenwechsel: Wir erleben, wie der Taxifahrer zu Hause von der Polizei festgenommen wird. Und so weiter. Das mag sich langweilig anhören, hat aber einen angenehmen Erzähl-Rhythmus und viel Humor! Linklater marschiert mit seiner Kamera von Slacker zu Slacker: Darunter ein Dieb, der mit seinem Opfer später einen Spaziergang unternimmt; ein Typ, der weiss, dass auf dem Mond Alien Spacecraft von der NASA gezüchtet wird und dann noch ein paar Folksänger, Liebhaber oder Landstreicher... Statt einer Story vermittelt Slacker ein Lebensgefühl. In den frühen 90ern sah man zum allerersten Mal diese Art von Menschen, die an das glauben, was sie in Magazinen lesen oder im Fernsehen "lernen". Die Sorte Mensch, der das Kino zuvor nie Aufmerksamkeit schenkte! Sie alle teilen ein spezielles Wissen, nennen wir es okkult oder esotherisch und stellen verrückte Theorien auf. Sie wissen, dass sie belogen werden und versuchen nun, eigene Wahrheiten zu finden. Linklater hört ihnen dabei amüsiert zu, führt sie aber keineswegs vor. Nicht das, was gesagt wird, ist bei diesem Film ausschlaggebend, sondern der Tonfall. Slacker klingt so wie das echte Leben und das ist im Film allgegenwärtig - an allen möglichen Ecken in Austin. Ein normaler Hollywood Film lässt die Protagonisten in Phrasen sprechen, um sich dabei auf seine Geschichte zu konzentrieren. Slacker nimmt sich die Freiheit, das nicht zu tun. Linklater jedenfalls hat das gesamte Kino damit beinflusst! Aus seinen Slackers wurde DER Kinotyp der 90er und heute ist diese Art und Weise, über das Leben zu philosophieren längst im Mainstream angekommen. (Wir stellen nicht den Film, nur den link zur Verfügung) (Bild: http://www.austinchronicle.com/binary/6c31/screens_feature1-2.jpg)
Our Daily Free Stream: Richard Linklater - Slacker. Richard Linklater ist gerade dabei, aus seinem School Of Rock eine TV Serie zu machen. Ich denke, das wird was! Deshalb gibts heute sein tolles Debüt: Im Grunde ist es unmöglich, Richard Linklaters Film Slacker zu beschreiben, obwohl Linklaters Methode glasklar ist: Er will uns eine bestimmte Gruppe von Leuten zeigen an einem Tag zur selben Zeit. Linklater nennt diese Guppe "Slackers", wir kennen sie auch als "Hipster", "Bohemians" oder "Generation X". Es sind diejenigen, die ein Studentenleben führen und in Studentenstädten herumhängen. Obwohl der Film 1991 in Austin spielt, sieht das Szenario so aus wie ein ganz normaler Tag heute in Berlin Neukölln. Linklater zeigt eine Parallelwelt, in welcher der Kaffee immer nachgefüllt wird und sich die Protagonisten wundern, dass es überhaupt noch ein anderes Leben gibt ausserhalb des eigenem. Linklater beobachtet, hört auch zu, will sich aber nicht einlassen auf das Leben seiner Slacker. Vielleicht gesteht er ihnen deshalb auch keinen Plot zu? Ironischerweise kennt man seine Technik von den Surrealisten: Wir folgen einer Geschichte über die Länge einer Szene, um dann einfach in eine ganz andere zu wechseln. Beispiel? Ein Taxifahrer nimmt einen Kunden (Richard Linklater selbst) mit, der ihm etwas über seine Theorie einer parallelen Realität erzählt. Der Taxifahrer interessiert sich offensichtlich einen Dreck dafür. Szenenwechsel: Wir erleben, wie der Taxifahrer zu Hause von der Polizei festgenommen wird. Und so weiter. Das mag sich langweilig anhören, hat aber einen angenehmen Erzähl-Rhythmus und viel Humor! Linklater marschiert mit seiner Kamera von Slacker zu Slacker: Darunter ein Dieb, der mit seinem Opfer später einen Spaziergang unternimmt; ein Typ, der weiss, dass auf dem Mond Alien Spacecraft von der NASA gezüchtet wird und dann noch ein paar Folksänger, Liebhaber oder Landstreicher... Statt einer Story vermittelt Slacker ein Lebensgefühl. In den frühen 90ern sah man zum allerersten Mal diese Art von Menschen, die an das glauben, was sie in Magazinen lesen oder im Fernsehen "lernen". Die Sorte Mensch, der das Kino zuvor nie Aufmerksamkeit schenkte! Sie alle teilen ein spezielles Wissen, nennen wir es okkult oder esotherisch und stellen verrückte Theorien auf. Sie wissen, dass sie belogen werden und versuchen nun, eigene Wahrheiten zu finden. Linklater hört ihnen dabei amüsiert zu, führt sie aber keineswegs vor. Nicht das, was gesagt wird, ist bei diesem Film ausschlaggebend, sondern der Tonfall. Slacker klingt so wie das echte Leben und das ist im Film allgegenwärtig - an allen möglichen Ecken in Austin. Ein normaler Hollywood Film lässt die Protagonisten in Phrasen sprechen, um sich dabei auf seine Geschichte zu konzentrieren. Slacker nimmt sich die Freiheit, das nicht zu tun. Linklater jedenfalls hat das gesamte Kino damit beinflusst! Aus seinen Slackers wurde DER Kinotyp der 90er und heute ist diese Art und Weise, über das Leben zu philosophieren längst im Mainstream angekommen. (Wir stellen nicht den Film, nur den link zur Verfügung) (Bild: http://www.austinchronicle.com/binary/6c31/screens_feature1-2.jpg)
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