youtube stream: Howard Hawks - Monkey Business
Wer gerade meint, er würde in unserem Neuheiten Regal der Filmkunstbar Fitzcarraldo nichts finden, dem möchte ich diese fast vergessene Screwball Komödie von Howard Hawks mit der jungen Marilyn Monroe in die Hand drücken. Hier erleben wir sie ganz kurz vor ihrem Durchbruch als Ikone! Monkey Business ist eine quirlige, durchgeknallte, fast psychodelische Komödie! Ein surrealistisches Meisterwerk und auch noch ziemlich "druggie"! Damals befanden Kritker und Publikum, dass Monkey Business nicht zu den grossen Hawks Filmen zählt. Dabei ist Monkey Business merkwürdigerweise beides: Im besten Sinne unschuldig, aber auch ganz schön abgeklärt (und damit hätten wir Monroes Sexappeal umschrieben). Cary Grant spielt Barnaby Fulton, einen respektablen, gesitteten Chemiker, der an einem Verjüngungs-Elixier für seinen Boss, Mr. Oxley (Charles Coburn), arbeitet. Dann entwischt einer seiner Larbor-Affen, bringt natürlich alles durcheinander und es entsteht die perfekte Formel ewiger Jugend(...)
Wir sind Bar UND Videothek. Cinegeek.de ist unser Social Network für besondere Filme, aufbauend auf unserer Filmkunstbar Fitzcarraldo. Hier findest du unseren DVD Katalog, den wir, die Videothekare und ihr, die Kunden, gemeinsam zusammengestellt haben (klick auf "Featured Movies"). Darüber hinaus haben wir alle Empfehlungen als "Film Lists" veröffentlicht.
Mittwoch, 17. Januar 2018
Montag, 15. Januar 2018
youtube stream: F.W. Murnau - Der Letzte Mann
Der alte Mann ist so ungeheuer stolz auf seine Position im Hotel als Türvorsteher, auf seine Uniform mit den goldenen Knöpfen und den breiten Schulterpolstern! Er trägt seine militärischen Aufschläge zur Schau und seine Manschetten. Dort, vor der Front-Tür des Hotels positioniert er, grüsst die Reichen und die Berühmten. Er, der Inbegriff der grossen Tradition des Hotels - bis er im Alter degradiert wird zur demütigenden Position des Begleiters zum WC-Bereich. F.W. Murnaus Klassiker erzählt diese Geschichte in einem der berühmtesten Stummfilme, ja in einem Stummfilm, der diesen Namen voll und ganz verdient! Denn Murnaus Klassiker kommt (fast vollständig) ohne Zwischentitel aus. Die Meister der Stummfilm-Ära waren stolz darauf, ihre Geschichte durch Pantomime und die Arbeit der Kamera zu erzählen. Nie aber hat es einer vor Murnau ganz ohne Zwischentitel versucht! Der Letzte Mann wurde aber nicht nur durch seine fehlenden Zwischentitel und das Spiel von Emil Jannings berühmt. Der Letzte Mann etabliert auch noch Murnaus entfesselte Kamera! Wir erleben Einstellungen, die einem Fahrstuhl folgen oder durch eine Hotel-Lobby gleiten. Einmal scheint die Kamera sogar durch die Glasscheibe des Büros vom Hotel-Manager hindurch zu fliegen! Hier, wie in allen Murnau Filmen gibt es diese technischen Kabinettstückchen zu bewundern! Und seine Charaktere? Nun, sie waren stets das, was sie durch ihre Umgebung wurden. Genau das ist der Schlüssel zum deutschen Expressionismus mit seinen wahnwitzig übertriebenen visuellen Elementen, die uns in einen Albtraum hinein und wieder hinaus führen konnten. Der Letzte Mann aber gehorcht eher traditionellen Erzählmustern. Die Kamera folgt dem Türsteher in fast jeder Einstellung. Im Grunde sehen wir nur das, was er sieht. Umgeben von all diesen eleganten Menschen in der Hotel-Lobby können wir das Selbstvertrauen des Mannes verstehen. Ganz so, als sei er einer von ihnen. In diesen frühen Szenen zeigt Murnaus Kamera den Türsteher von unten. Erhaben wirkt er und immer über allen anderen stehend. Er ist gross, mit einem grossen Bauch. Sein Gesicht wird durch den Bart umrahmt. Dann aber - am nächsten Morgen - erblickt er einen anderen Mann, der seine Arbeit verrichtet. Ganz viel im Leben des Türmannes resultiert aus dem Vergnügen, dem ihm seine respektable Uniform verschafft. Genauso zeigt er sich vor seinen Nachbarn - in seiner glänzenden Uniform. Als man ihm die Uniform nimmt, klaut er sogar eine aus einem Schliessfach, nur, um sich weiterhin den Nachbarn zu zeigen - ganz ohne würde er sich zu Tode schämen. Genau deshalb hat Lotte Eisner Murnaus Film einmal als typisch deutsche Geschichte beschrieben. In keinem anderen Land der Welt würde der Uniform solch ein Stellenwert zugesprochen werden und deshalb könnte Der Letzte Mann nur in Deutschland spielen. In Deutschland hatte die Uniform einen höheren Stellenwert als Gott! Immerhin, in dem Moment, da der Türsteher die Uniform anlegt, ist er nicht länger ein Individuum, sondern Teil einer Organisation (an dieser Stelle darf man gerne das Aufkommen der NSDAP hinein interpretieren). Legt er die Uniform ab, hört er auf zu existieren. Übrigens: Ein einziges Mal benutzt Murnau doch einen Zwischentitel: „Hier sollte der Film eigentlich enden. Im wirklichen Leben würde der unglückliche alte Mann noch kaum etwas anderes zu erwarten haben als den Tod. Doch der Drehbuchautor hatte Mitleid mit ihm und sah ein fast unwahrscheinliches Nachspiel vor.“ Murnau schenkt uns daraufhin einfach ein vollkommen unbefriedigendes Happy Ending. Und Jannings? Nach seinen grossen Rollen der Stummfilmzeit, die ihn zum Weltstar aufsteigen liessen, wirkte er in Nazi-Produktionen mit und unterstützte Hitlers Reich. Nach dem Krieg fiel er in Ungnade. Der Mantel des grossen Stars passte nicht mehr.
Der alte Mann ist so ungeheuer stolz auf seine Position im Hotel als Türvorsteher, auf seine Uniform mit den goldenen Knöpfen und den breiten Schulterpolstern! Er trägt seine militärischen Aufschläge zur Schau und seine Manschetten. Dort, vor der Front-Tür des Hotels positioniert er, grüsst die Reichen und die Berühmten. Er, der Inbegriff der grossen Tradition des Hotels - bis er im Alter degradiert wird zur demütigenden Position des Begleiters zum WC-Bereich. F.W. Murnaus Klassiker erzählt diese Geschichte in einem der berühmtesten Stummfilme, ja in einem Stummfilm, der diesen Namen voll und ganz verdient! Denn Murnaus Klassiker kommt (fast vollständig) ohne Zwischentitel aus. Die Meister der Stummfilm-Ära waren stolz darauf, ihre Geschichte durch Pantomime und die Arbeit der Kamera zu erzählen. Nie aber hat es einer vor Murnau ganz ohne Zwischentitel versucht! Der Letzte Mann wurde aber nicht nur durch seine fehlenden Zwischentitel und das Spiel von Emil Jannings berühmt. Der Letzte Mann etabliert auch noch Murnaus entfesselte Kamera! Wir erleben Einstellungen, die einem Fahrstuhl folgen oder durch eine Hotel-Lobby gleiten. Einmal scheint die Kamera sogar durch die Glasscheibe des Büros vom Hotel-Manager hindurch zu fliegen! Hier, wie in allen Murnau Filmen gibt es diese technischen Kabinettstückchen zu bewundern! Und seine Charaktere? Nun, sie waren stets das, was sie durch ihre Umgebung wurden. Genau das ist der Schlüssel zum deutschen Expressionismus mit seinen wahnwitzig übertriebenen visuellen Elementen, die uns in einen Albtraum hinein und wieder hinaus führen konnten. Der Letzte Mann aber gehorcht eher traditionellen Erzählmustern. Die Kamera folgt dem Türsteher in fast jeder Einstellung. Im Grunde sehen wir nur das, was er sieht. Umgeben von all diesen eleganten Menschen in der Hotel-Lobby können wir das Selbstvertrauen des Mannes verstehen. Ganz so, als sei er einer von ihnen. In diesen frühen Szenen zeigt Murnaus Kamera den Türsteher von unten. Erhaben wirkt er und immer über allen anderen stehend. Er ist gross, mit einem grossen Bauch. Sein Gesicht wird durch den Bart umrahmt. Dann aber - am nächsten Morgen - erblickt er einen anderen Mann, der seine Arbeit verrichtet. Ganz viel im Leben des Türmannes resultiert aus dem Vergnügen, dem ihm seine respektable Uniform verschafft. Genauso zeigt er sich vor seinen Nachbarn - in seiner glänzenden Uniform. Als man ihm die Uniform nimmt, klaut er sogar eine aus einem Schliessfach, nur, um sich weiterhin den Nachbarn zu zeigen - ganz ohne würde er sich zu Tode schämen. Genau deshalb hat Lotte Eisner Murnaus Film einmal als typisch deutsche Geschichte beschrieben. In keinem anderen Land der Welt würde der Uniform solch ein Stellenwert zugesprochen werden und deshalb könnte Der Letzte Mann nur in Deutschland spielen. In Deutschland hatte die Uniform einen höheren Stellenwert als Gott! Immerhin, in dem Moment, da der Türsteher die Uniform anlegt, ist er nicht länger ein Individuum, sondern Teil einer Organisation (an dieser Stelle darf man gerne das Aufkommen der NSDAP hinein interpretieren). Legt er die Uniform ab, hört er auf zu existieren. Übrigens: Ein einziges Mal benutzt Murnau doch einen Zwischentitel: „Hier sollte der Film eigentlich enden. Im wirklichen Leben würde der unglückliche alte Mann noch kaum etwas anderes zu erwarten haben als den Tod. Doch der Drehbuchautor hatte Mitleid mit ihm und sah ein fast unwahrscheinliches Nachspiel vor.“ Murnau schenkt uns daraufhin einfach ein vollkommen unbefriedigendes Happy Ending. Und Jannings? Nach seinen grossen Rollen der Stummfilmzeit, die ihn zum Weltstar aufsteigen liessen, wirkte er in Nazi-Produktionen mit und unterstützte Hitlers Reich. Nach dem Krieg fiel er in Ungnade. Der Mantel des grossen Stars passte nicht mehr.
Sonntag, 14. Januar 2018
youtube stream: Klaus Lemke - Berlin für Helden
Vor allem geht's doch darum: Wie bringe ich einen Low-Budget Film auf den Markt? Klaus Lemke tut alles dafür. Er stemmt die Finanzierung allein, bewirbt sich bei A-Festivals (Berlin Für Helden kassierte eine Ablehnung der Berlinale - zum Glück für Lemke) und macht trotzig Pressearbeit. Lemke unterhält sein eigenes Netzwerk, dirigiert via sms. Er, der Übervater des deutschen Indie Films. Am wichtigsten ist Lemke selbst, seine Auftritte und Interviews. Er macht Filme ohne Geld vom Staat, die ihm dann das ZDF abkauft. Berlin Für Helden war nach 16 Jahren sogar ein Kinostart vergönnt! Eigentlich mochte Lemke Berlin ja gar nicht. Wie kams, dass diese zwanghafte hippe Stadt seitdem doch ein paar Strassen-Western des Kiezfilmemachers abbekam? Womöglich, weil hier einfach genügend Darsteller auf der Strasse rumrennen, die Zeit haben, mal eben mitzumachen? Ohne Zeit ist Lemkes Kino gar nicht möglich. Lemke hat Zeit und sucht nach Mitstreitern, die Lust haben, mit ihm zu spielen. Da er ohne Drehbuch filmt (stattdessen notiert er Dialoge auf Schmierzetteln), kann er seine Werke einfach danach ausrichten, was ihm gerade so in die Arme stolpert. Ein guter Lemke Film bietet schöne Frauen. Mit zum Stamm-Inventar gehört Saralisa Volm, die während der Hälfte ihrer Auftritte nur wenig anhat. Gemeinsam mit Volm bewarb Lemke Berlin Für Helden während der Berlinale und zeigte der versammelten Prominenz sein Hinterteil. Lemke ist ein grosser Romantiker, träumt von der Nouvelle Vague der 60er, vom amerikanischen Film der Zeit. Eine Stadt wie Berlin verspricht für ihn schnellen Sex: „Man muss schon nach Berlin fahren, um ordentlich durchgefickt zu werden"; findet Saralisa. Er sucht das echte Berlin oder zumindest das, was Lemkes Vorstellungen einer solchen Grossstadt entspricht. Sein Berlin ist voller Helden (andere würden sie als Versager bezeichnen) ohne Einkommen. Sie schlagen sich durch von heute auf morgen und sind nie um einen Spruch verlegen. Ihnen folgt Lemke und nicht etwa einer festen Geschichte. Klar, es gibt Liebe und Eifersucht, aber das ist unwichtig. Lemke sucht das Milieu, den Kiez. Im Grunde sucht er nach Bestätigung. Nach Mitstreitern, die so sind wie er selbst.
Vor allem geht's doch darum: Wie bringe ich einen Low-Budget Film auf den Markt? Klaus Lemke tut alles dafür. Er stemmt die Finanzierung allein, bewirbt sich bei A-Festivals (Berlin Für Helden kassierte eine Ablehnung der Berlinale - zum Glück für Lemke) und macht trotzig Pressearbeit. Lemke unterhält sein eigenes Netzwerk, dirigiert via sms. Er, der Übervater des deutschen Indie Films. Am wichtigsten ist Lemke selbst, seine Auftritte und Interviews. Er macht Filme ohne Geld vom Staat, die ihm dann das ZDF abkauft. Berlin Für Helden war nach 16 Jahren sogar ein Kinostart vergönnt! Eigentlich mochte Lemke Berlin ja gar nicht. Wie kams, dass diese zwanghafte hippe Stadt seitdem doch ein paar Strassen-Western des Kiezfilmemachers abbekam? Womöglich, weil hier einfach genügend Darsteller auf der Strasse rumrennen, die Zeit haben, mal eben mitzumachen? Ohne Zeit ist Lemkes Kino gar nicht möglich. Lemke hat Zeit und sucht nach Mitstreitern, die Lust haben, mit ihm zu spielen. Da er ohne Drehbuch filmt (stattdessen notiert er Dialoge auf Schmierzetteln), kann er seine Werke einfach danach ausrichten, was ihm gerade so in die Arme stolpert. Ein guter Lemke Film bietet schöne Frauen. Mit zum Stamm-Inventar gehört Saralisa Volm, die während der Hälfte ihrer Auftritte nur wenig anhat. Gemeinsam mit Volm bewarb Lemke Berlin Für Helden während der Berlinale und zeigte der versammelten Prominenz sein Hinterteil. Lemke ist ein grosser Romantiker, träumt von der Nouvelle Vague der 60er, vom amerikanischen Film der Zeit. Eine Stadt wie Berlin verspricht für ihn schnellen Sex: „Man muss schon nach Berlin fahren, um ordentlich durchgefickt zu werden"; findet Saralisa. Er sucht das echte Berlin oder zumindest das, was Lemkes Vorstellungen einer solchen Grossstadt entspricht. Sein Berlin ist voller Helden (andere würden sie als Versager bezeichnen) ohne Einkommen. Sie schlagen sich durch von heute auf morgen und sind nie um einen Spruch verlegen. Ihnen folgt Lemke und nicht etwa einer festen Geschichte. Klar, es gibt Liebe und Eifersucht, aber das ist unwichtig. Lemke sucht das Milieu, den Kiez. Im Grunde sucht er nach Bestätigung. Nach Mitstreitern, die so sind wie er selbst.
Mittwoch, 10. Januar 2018
youtube stream: Dario Argento - Suspiria
“The Only Thing More Terrifying Than The Last 12 Minutes Of This Film Are The First 92"; verkündete das Kinoplakat von Dario Argentos Suspiria. Als wir unsere Videothek gründeten, gabs Suspiria in Deutschland nicht auf DVD. Heute immer noch nicht. In der Wunschbox, die ich vor dem Laden angeschraubt hatte, fand ich dafür unverhältnismässig oft Wunschzettel, die Dario Argento - Suspiria forderten. Zu Recht! Die hohen Erwartungen, die ein solches Kinoplakat weckt, werden von Suspiria sogar noch übertroffen! Wir erleben einen Ausbruch von Sound, und BILDERN und Wut und Zorn! Suspiria verbindet Horror, ganz aus dem Bauch heraus entwickelt mit Avantgarde. Nie wieder sah ein Horrorfilm so phantastisch aus! Mittlerweile darf Argento leider als einer der Filmemacher gelten, die jahrzehntelang ihrer alten Form hinterher rennen; auf Suspiria aber können wir uns wohl alle einigen! Während der 70er bis hinein in die 80er konnte Argento eine Gemeinschaft von Geeks hinter sich versammeln, die Züge einer Sekte trug. Man erwartete jeden seiner neuesten Filme wie ein Wunder! Überall auf der Welt wurde Argento in einem Atemzug mit den grössten italienischen Regisseuren genannt - nur in Deutschland nicht. Keiner seiner Klassiker war für uns zugänglich, weshalb wir Berliner ins Videodrom gingen, um uns importierte VHS auszuleihen. Um auch Argento sehen zu können! Pünktlich, an meinem 18. Geburtstag, stand ich deshalb im Videodrom (und nicht in der Schule), um eine Mitglieds-Karte machen zu lassen. Wie so viele vor ihm begann Argento als Kritiker und Drehbuch-Autor (er verfasste das Skript für Once_Upon_A_Time_In_The_West). Ab 1970 etablierte er sich dann mit eigenen Filmen im Giallo Bereich. Argentos Karriere begann mit einem unheimlichen Erfolg, der von zwei weiteren noch übertroffen wurde. Wie jeder gute Auteur versuchte er sich auch in fremden Genres, drehte eine Komödie, um wieder zu seinen nervenzerfetzenden Schockern zurückzukehren. Mitte der 70er entschied er sich dafür, seinen Stil zu erweitern. Argento widmete sich dem Übernatürlichen, entdeckte Suspiria de Profundis von Thomas De Quincey aus dem Jahr 1845 und verfasste basierend auf dem Roman Suspiria. Übrigens gemeinsam mit seiner Freundin, der Schauspielerin Daria Nicolodi. Suspiria eröffnet damit, wie eine Ballett-Studentin aus der finsteren Nacht kommt. Sie studiert an der deutschen Tanz-Akademie in Freiburg, einem Ort, an dem die Schülerinnen nachts von Mördern heimgesucht werden. Eine Serie bizarrer Vorfälle gipfelt in der Erkenntnis, das die Gründerin der Schule eine Hexe war. Haben wir es überhaupt mit einer Tanzschule zu tun? Oder befinden wir uns in einem Hexensabbat? Argento hatte seine Giallo Filme vor Suspiria herkömmlich erzählt. Hier entschied er sich, alles das, was wir an konventionellen Strukturen gewohnt sind, zu opfern. Suspiria ist blosse Sensation! Suspiria wirkt wie eine äusserst düstere Erwachsenen-Version der Märchen, die wir als Kinder fürchteten. Ein Film wie ein Albtraum, der auch der Logik eines Traums folgt. Ein Kunstwerk, das ausser Kontrolle gerät! Visuell erscheint Suspiria wie ein barockes Gemälde, wobei auch hier alle Grenzen überschritten werden. Ich denke, Argento verwendete alles, was an Filtern, visuellen Konzepten, Spiegeln und Lichteffekten auf dem Markt war, jagt mit der Kamera dem Geschehen hinterher, gönnt uns keine Pause. Welcher Film war damals so weit seiner Zeit voraus? Berühmt sind die Bilder der Morde, die wie dekadente Arrangements wirken. Gleich zu Beginn fährt die Kamera hinein in den Körper eines ermordeten Mädchens bis zum Herzen, das durchstochen wurde. Überhaupt hat Argento die Mordserie in der Ballettschule an sich wie ein Ballett inszeniert. Splatter wird hier zu Kunst, die unheimlichsten Momente sind gleichermassen auch die betörendsten. Man hat Argento deshalb den Vorwurf gemacht, ein Frauenfeind zu sein: Schöne Frauen werden in atemberaubenden Sets abgestochen. Allerdings spielen in Suspiria fast ausschliesslich Frauen mit und zwar so charismatische Stars wie Jessica Harper, Jon Bennett und Alida Valli, die längst Filmgeschichte geschrieben hatten. Der stilistische Exzess, mit dem Suspiria in der Apokalypse endet, führt uns schliesslich auch vor Augen, dass Argento seinen Stil bis in die Gänze ausgelotet hatte. Ging da noch mehr? Wohl kaum! Immerhin fungiert Suspiria als erster Teil einer Trilogie, die 1980 mit Inferno sowie 2007 mit Mother Of Tears abgeschlossen wurde. Natürlich ist vor allem der Nachfolger noch übertriebener und noch viel weniger an einer Handlung oder gar Logik interessiert. Ein bisschen verstehen wir dadurch auch Argentos Niedergang, denn Mother Of Tears wollte im Grunde keiner mehr sehen. Suspiria aber ist ein einzigartiges filmisches Experiment, dass von Generation zu Generation weitergereicht wurde. Einer der ganz grossen Klassiker in der Geschichte des Kinos!
“The Only Thing More Terrifying Than The Last 12 Minutes Of This Film Are The First 92"; verkündete das Kinoplakat von Dario Argentos Suspiria. Als wir unsere Videothek gründeten, gabs Suspiria in Deutschland nicht auf DVD. Heute immer noch nicht. In der Wunschbox, die ich vor dem Laden angeschraubt hatte, fand ich dafür unverhältnismässig oft Wunschzettel, die Dario Argento - Suspiria forderten. Zu Recht! Die hohen Erwartungen, die ein solches Kinoplakat weckt, werden von Suspiria sogar noch übertroffen! Wir erleben einen Ausbruch von Sound, und BILDERN und Wut und Zorn! Suspiria verbindet Horror, ganz aus dem Bauch heraus entwickelt mit Avantgarde. Nie wieder sah ein Horrorfilm so phantastisch aus! Mittlerweile darf Argento leider als einer der Filmemacher gelten, die jahrzehntelang ihrer alten Form hinterher rennen; auf Suspiria aber können wir uns wohl alle einigen! Während der 70er bis hinein in die 80er konnte Argento eine Gemeinschaft von Geeks hinter sich versammeln, die Züge einer Sekte trug. Man erwartete jeden seiner neuesten Filme wie ein Wunder! Überall auf der Welt wurde Argento in einem Atemzug mit den grössten italienischen Regisseuren genannt - nur in Deutschland nicht. Keiner seiner Klassiker war für uns zugänglich, weshalb wir Berliner ins Videodrom gingen, um uns importierte VHS auszuleihen. Um auch Argento sehen zu können! Pünktlich, an meinem 18. Geburtstag, stand ich deshalb im Videodrom (und nicht in der Schule), um eine Mitglieds-Karte machen zu lassen. Wie so viele vor ihm begann Argento als Kritiker und Drehbuch-Autor (er verfasste das Skript für Once_Upon_A_Time_In_The_West). Ab 1970 etablierte er sich dann mit eigenen Filmen im Giallo Bereich. Argentos Karriere begann mit einem unheimlichen Erfolg, der von zwei weiteren noch übertroffen wurde. Wie jeder gute Auteur versuchte er sich auch in fremden Genres, drehte eine Komödie, um wieder zu seinen nervenzerfetzenden Schockern zurückzukehren. Mitte der 70er entschied er sich dafür, seinen Stil zu erweitern. Argento widmete sich dem Übernatürlichen, entdeckte Suspiria de Profundis von Thomas De Quincey aus dem Jahr 1845 und verfasste basierend auf dem Roman Suspiria. Übrigens gemeinsam mit seiner Freundin, der Schauspielerin Daria Nicolodi. Suspiria eröffnet damit, wie eine Ballett-Studentin aus der finsteren Nacht kommt. Sie studiert an der deutschen Tanz-Akademie in Freiburg, einem Ort, an dem die Schülerinnen nachts von Mördern heimgesucht werden. Eine Serie bizarrer Vorfälle gipfelt in der Erkenntnis, das die Gründerin der Schule eine Hexe war. Haben wir es überhaupt mit einer Tanzschule zu tun? Oder befinden wir uns in einem Hexensabbat? Argento hatte seine Giallo Filme vor Suspiria herkömmlich erzählt. Hier entschied er sich, alles das, was wir an konventionellen Strukturen gewohnt sind, zu opfern. Suspiria ist blosse Sensation! Suspiria wirkt wie eine äusserst düstere Erwachsenen-Version der Märchen, die wir als Kinder fürchteten. Ein Film wie ein Albtraum, der auch der Logik eines Traums folgt. Ein Kunstwerk, das ausser Kontrolle gerät! Visuell erscheint Suspiria wie ein barockes Gemälde, wobei auch hier alle Grenzen überschritten werden. Ich denke, Argento verwendete alles, was an Filtern, visuellen Konzepten, Spiegeln und Lichteffekten auf dem Markt war, jagt mit der Kamera dem Geschehen hinterher, gönnt uns keine Pause. Welcher Film war damals so weit seiner Zeit voraus? Berühmt sind die Bilder der Morde, die wie dekadente Arrangements wirken. Gleich zu Beginn fährt die Kamera hinein in den Körper eines ermordeten Mädchens bis zum Herzen, das durchstochen wurde. Überhaupt hat Argento die Mordserie in der Ballettschule an sich wie ein Ballett inszeniert. Splatter wird hier zu Kunst, die unheimlichsten Momente sind gleichermassen auch die betörendsten. Man hat Argento deshalb den Vorwurf gemacht, ein Frauenfeind zu sein: Schöne Frauen werden in atemberaubenden Sets abgestochen. Allerdings spielen in Suspiria fast ausschliesslich Frauen mit und zwar so charismatische Stars wie Jessica Harper, Jon Bennett und Alida Valli, die längst Filmgeschichte geschrieben hatten. Der stilistische Exzess, mit dem Suspiria in der Apokalypse endet, führt uns schliesslich auch vor Augen, dass Argento seinen Stil bis in die Gänze ausgelotet hatte. Ging da noch mehr? Wohl kaum! Immerhin fungiert Suspiria als erster Teil einer Trilogie, die 1980 mit Inferno sowie 2007 mit Mother Of Tears abgeschlossen wurde. Natürlich ist vor allem der Nachfolger noch übertriebener und noch viel weniger an einer Handlung oder gar Logik interessiert. Ein bisschen verstehen wir dadurch auch Argentos Niedergang, denn Mother Of Tears wollte im Grunde keiner mehr sehen. Suspiria aber ist ein einzigartiges filmisches Experiment, dass von Generation zu Generation weitergereicht wurde. Einer der ganz grossen Klassiker in der Geschichte des Kinos!
Montag, 8. Januar 2018
Filmliste: Three Billboards + Southern Drama Movies
"Raped while dying", "And still no arrests" sowie "How come, Chief Willoughby?". Drei Tafeln mietet Mildred Hayes (Frances McDormand) vor ihrer kleinen Stadt in Missouri an. Sie stellt drei offene Fragen an die Polizei, ja die ganze Gemeinde: Wieso wurde nie aufgeklärt, wer ihre Tochter Angela vergewaltigte und ermordete? Mildred wird von Wut getrieben. Anders als in so vielen Hollywood Filmen, sind es nicht Akzeptanz oder Verständnis, die das Geschehen bestimmen. Es ist allein rasende Wut!(...)
"Raped while dying", "And still no arrests" sowie "How come, Chief Willoughby?". Drei Tafeln mietet Mildred Hayes (Frances McDormand) vor ihrer kleinen Stadt in Missouri an. Sie stellt drei offene Fragen an die Polizei, ja die ganze Gemeinde: Wieso wurde nie aufgeklärt, wer ihre Tochter Angela vergewaltigte und ermordete? Mildred wird von Wut getrieben. Anders als in so vielen Hollywood Filmen, sind es nicht Akzeptanz oder Verständnis, die das Geschehen bestimmen. Es ist allein rasende Wut!(...)
Sonntag, 7. Januar 2018
youtube stream: Kinamand
Ich habe versucht, alle zu kaufen! Alle dieser tragikomischen Komödien aus dem Norden Europas, in denen die Darsteller keine Miene verziehen, kaum sprechen und stattdessen eine Zigarette nach der anderen rauchen. Chinaman darf deshalb als Entdeckung gelten, weil die DVD schon ein paar Jahre bei uns herumsteht, aber kaum Beachtung findet. Chinaman, das ist der Klempner Keld (Bjarne Henriksen), der von seiner Frau verlassen wurde und nun Geldprobleme hat. Keld ist ein wortkarger Typ, ein einfacher Mann mit einem lieben Charakter. Nun, da er alleinstehend ist, geht er täglich essen beim chinesischen Imbiss gegenüber. Er tauscht seine Leistungen als Klempner gegen sein Abendessen. Bis der Inhaber Keld eines Tages bittet, seine Schwester Ling (Vivian Wu) zu heiraten(...)
Ich habe versucht, alle zu kaufen! Alle dieser tragikomischen Komödien aus dem Norden Europas, in denen die Darsteller keine Miene verziehen, kaum sprechen und stattdessen eine Zigarette nach der anderen rauchen. Chinaman darf deshalb als Entdeckung gelten, weil die DVD schon ein paar Jahre bei uns herumsteht, aber kaum Beachtung findet. Chinaman, das ist der Klempner Keld (Bjarne Henriksen), der von seiner Frau verlassen wurde und nun Geldprobleme hat. Keld ist ein wortkarger Typ, ein einfacher Mann mit einem lieben Charakter. Nun, da er alleinstehend ist, geht er täglich essen beim chinesischen Imbiss gegenüber. Er tauscht seine Leistungen als Klempner gegen sein Abendessen. Bis der Inhaber Keld eines Tages bittet, seine Schwester Ling (Vivian Wu) zu heiraten(...)
Donnerstag, 4. Januar 2018
Filmliste: Feelgood Movies - Eastern Europe
Wer erinnert sich noch an Milos Formans Loves Of A Blonde? Das war die Geschichte einer jungen Blondine, die in der Fabrik arbeitet und eine ganze Reihe von Männern durchprobiert. Bis sie sich in einen Musiker verliebt. Ein Film, wie ein Stück aus dem Leben und ich denke, bis heute funktionieren die tollsten Komödien aus Osteuropa wie Loves Of A Blonde.(...)
Wer erinnert sich noch an Milos Formans Loves Of A Blonde? Das war die Geschichte einer jungen Blondine, die in der Fabrik arbeitet und eine ganze Reihe von Männern durchprobiert. Bis sie sich in einen Musiker verliebt. Ein Film, wie ein Stück aus dem Leben und ich denke, bis heute funktionieren die tollsten Komödien aus Osteuropa wie Loves Of A Blonde.(...)
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