Our Daily Free Stream: Sa, Raimi - The Evil Dead 1981
Our Daily Free Stream: Sam Raimi - The Evil Dead (1981). Unser
ehemaliger Kollege Thomas Groh schreibt in der taz: Spekulationenüber
Gewaltexzesse Warum enthält der Staat seinen mündigen Bürgernin Zeiten
des Internet-streamings fiktionale Filme vor? Und wie fühlt sich der
Reizdes Verbotenen an? Gedanken anlässlich eines Gerichts-beschlusses
zurHorrorlegende„Tanz der Teufel“. An sich eine lapidare Meldung: Nach
Beschluss des Amtsgerichts Tiergarten ist der Horrorfilm „Tanz der
Teufel“ nicht mehr länger nach § 131 StGB (Gewaltverherrlichung)
beschlagnahmt. Da dieses De-facto-Totalverbot vom Tisch ist, bietet sich
dem Rechteinhaber Sony nun die Möglichkeit, bei der Bundesprüfstelle
für jugendgefährdende Medien (BPjM) eine Indexstreichung des 1981
entstandenen, 1984 erstmals per Gerichtsbeschluss eingezogenen Films zu
beantragen. Einer rechtlich sicheren Veröffentlichung des Films stünde
im absehbaren Erfolgsfall nichts mehr entgegen. Auch im Fernsehen könnte
er dann laufen. Als dies vor Kurzem bekannt wurde, kamen manchem
Horrorfan dennoch Tränen der Rührung. Denn das als Spaßprojekt unter
Freunden mit einer 16-mm-Kamera im Wald realisierte Langfilmdebüt des
heute längst in Hollywood angekommenen Regisseurs Sam Raimi genoss in
Deutschland infolge seiner Zensurgeschichte lange Legendenstatus: Seine
angeblichen Gewaltexzesse waren Gegenstand zahlreicher
Schulhofspekulationen. Klandestin kursierende Videokopien der x-ten
Generation galten als Trophäen mit dem Ruch des Verbotenen. Sie zeigten
den Film zwar farbentgeättigt und verrauscht; doch die angestachelte
Fantasie setzte dies erst richtig in Gang. Demgegenüber tritt heute eher
der Charme des Handgemachten zutage; der Atmosphäre des (im Übrigen von
Coen-Bruder Joel Coen montierten) Splatterklassikers tut dies keinen
Abbruch. Vor diesem Hintergrund wirkt das lange währende staatliche
Totalverbot nur noch absurder, als es eh schon ist, wenn ein Staat
seinen mündigen Bürgern fiktionale Werke begütigend vorenthält: Das
heutige Kino ist längst viel drastischer und realistischer – mitunter
schon ab FSK 16. Für die Fans ändert sich eh nichts: Sie haben den Film
längst zu Hause – illegal aus dem Netz oder als Sammleredition,
importiert etwa aus Österreich, wo es eine ähnliche Verbotspraxis nicht
gibt und DVD-Labels an deutschen Kunden gut verdienen. Auch auf gängigen
Online-Videoportalen ist der Film im Nu zu finden. Die sehr deutsche,
sehr bürokratische Praxis des Indizierens und Beschlagnahmens ist in der
heutigen Medienkultur so possierlich und anachronistisch wie eine
Videokassette, kostet aber viel Steuergeld, das woanders besser
aufgehoben wäre. War die BPjM für die Videokinder der 1990er noch der
Gottseibeiuns, ist sie heutigen Kids wahrscheinlich kaum mehr ein
Begriff. Im Zeitalter niedrigschwelliger Zugänglichkeiten hat sie auf
deren Medienkonsum keine Auswirkung. Dass Sony in Sachen „Tanz der
Teufel“ plötzlich rege wird, dürfte handfeste Gründe haben: Im September
nimmt Amazon die Serie „Ash vs Evil Dead“ ins Streamingangebot auf.
Deren zehn Episoden bilden nach zwei Kinosequels den bereits vierten
Teil von „Tanz der Teufel“ und für Sony wohl Anreiz genug, um beim
Amtsgericht wegen alter Geschichten anzuklopfen. (Quelle:
http://www.taz.de/!5330205/) (Wir stellen nicht den Film, nur den link
zur Verfügung) (Bild:
https://thatwasabitmental.files.wordpress.com/2011/01/evildead1.jpg)
Wir sind Bar UND Videothek. Cinegeek.de ist unser Social Network für besondere Filme, aufbauend auf unserer Filmkunstbar Fitzcarraldo. Hier findest du unseren DVD Katalog, den wir, die Videothekare und ihr, die Kunden, gemeinsam zusammengestellt haben (klick auf "Featured Movies"). Darüber hinaus haben wir alle Empfehlungen als "Film Lists" veröffentlicht.
Montag, 15. August 2016
FILM LIST: Fantasy Filmfest
Ganz selten kommt mal einer in die Filmkunstbar Fitzcarraldo, der sich als ehrlicher Horror Geek ausgibt. Meistens verlangen die Gäste nach "gepflegten" Filmen. Einmal im Jahr aber ist alles anders - der Verdienst des Fantasy Filmfests! Mit ganz viel Herzblut wird hier eine Auswahl zusammengestellt, die ausserhalb der Realität angesiedelt ist: Horror, Fantasy, SciFi, Surreales und (für uns fast gleichbedeutend) Asiatisches. Nicht von dieser Welt. Alles beginnt 1987, als wir noch mit Transit aus West-Berlin reisen mussten und eine Fahrt nach Hamburg fünf Stunden dauerte. Im Gründungsjahr zeigte man noch nicht so viele Filme, was sich bis heute rapide veränderte! Recht viele Kultfilme feierten ihre Premiere auf dem Fantasy Filmfest: Delicatessen, Irreversible, Saw und sogar Pulp Fiction! Hamburg ist die Geburtsstätte des Fantasy Filmfests, Berlin kam 1992 dazu. Das ist nicht ungewöhnlich, denn zu Mauerzeiten hatten wir viel weniger grosse Events! Mittlerweile läuft das Fantasy Filmfest in sieben deutschen Städten. Das Publikum ermittelt schliesslich den Fresh Award. Klar, denn das Fantasy Filmfest bedeutet vor allem Spass - wer braucht da schon eine "akademische" Jury? Originalversionen mit Untertiteln füllen die Kinosäle! Was für eine Erfolgsgeschichte, insbesondere für ein Land, in dem Bruce Willis genauso spricht wie Gerard Depardieu! Ab dieser Woche gilt für viele: Arbeit fällt aus. Dauerkarte muss her! Es herrscht Ausnahmezustand für diejenigen, die am liebsten nachmittags Kekse essen und dazu Filme gucken. Für die Geeks. (Wir stellen nicht die Filme, nur die links zur Verfügung. SEHT EUCH DIE LINKS SCHNELL AN, BEVOR SIE GELÖSCHT WERDEN. 15.8.16)
Ganz selten kommt mal einer in die Filmkunstbar Fitzcarraldo, der sich als ehrlicher Horror Geek ausgibt. Meistens verlangen die Gäste nach "gepflegten" Filmen. Einmal im Jahr aber ist alles anders - der Verdienst des Fantasy Filmfests! Mit ganz viel Herzblut wird hier eine Auswahl zusammengestellt, die ausserhalb der Realität angesiedelt ist: Horror, Fantasy, SciFi, Surreales und (für uns fast gleichbedeutend) Asiatisches. Nicht von dieser Welt. Alles beginnt 1987, als wir noch mit Transit aus West-Berlin reisen mussten und eine Fahrt nach Hamburg fünf Stunden dauerte. Im Gründungsjahr zeigte man noch nicht so viele Filme, was sich bis heute rapide veränderte! Recht viele Kultfilme feierten ihre Premiere auf dem Fantasy Filmfest: Delicatessen, Irreversible, Saw und sogar Pulp Fiction! Hamburg ist die Geburtsstätte des Fantasy Filmfests, Berlin kam 1992 dazu. Das ist nicht ungewöhnlich, denn zu Mauerzeiten hatten wir viel weniger grosse Events! Mittlerweile läuft das Fantasy Filmfest in sieben deutschen Städten. Das Publikum ermittelt schliesslich den Fresh Award. Klar, denn das Fantasy Filmfest bedeutet vor allem Spass - wer braucht da schon eine "akademische" Jury? Originalversionen mit Untertiteln füllen die Kinosäle! Was für eine Erfolgsgeschichte, insbesondere für ein Land, in dem Bruce Willis genauso spricht wie Gerard Depardieu! Ab dieser Woche gilt für viele: Arbeit fällt aus. Dauerkarte muss her! Es herrscht Ausnahmezustand für diejenigen, die am liebsten nachmittags Kekse essen und dazu Filme gucken. Für die Geeks. (Wir stellen nicht die Filme, nur die links zur Verfügung. SEHT EUCH DIE LINKS SCHNELL AN, BEVOR SIE GELÖSCHT WERDEN. 15.8.16)
Sonntag, 14. August 2016
Our Daily Free Stream: Ridley Scott - Blade Runner
Our Daily Free Strem: Ridley Scott - Blade Runner. Ob wir wollen oder nicht; das Remake von Dennis Villeneuve schreitet langsam voran. Hier das Original. - Das ist also "Jetzt", die Zukunft. Die Autos sehen aus wie Boxen, doch immer noch wird so etwas wie Rock'n Roll im Radio gespielt. Blade Runner eröffnet eine Zukunft 2020 in Los Angeles. L.A. sieht aus wie Tokyo und tatsächlich trinkt ein japanisches Mädchen Coca Cola. Immerhin: Es sieht sensationell aus! Die Wolkenkatzer sind noch ein Stück gewachsen und die Menschen fahren umher in Vehikles, die alles können. Fahren, fliegen, klettern. L.A., ein urbaner Dschungel. Durch die "Mean Streets", die wir kein Mal bei Tageslicht sehen, streift Harrison Ford. Er sucht eine Gruppe Replikanten, die aus der Off-World geflohen sind. Er ist ein Lakoniker, kompetent und zynisch. Sein Job: Die Replikanten aufspüren und eliminieren. Was als nächstes geschehen mag, ist nicht schwer vorauszusagen: Er verliebt sich in eine von ihnen. Sie ist nicht menschlich, doch was bedeutet das schon? Wohl deshalb trägt die Original Geschichte von Philip K. Dick den Titel "Do Androids Dream of Electric Sheep?". Vor allem geht um die Unterschiede zwischen "Mensch" und "Replikant", also "Nicht-Mensch" - um deren Erinnerung. Spielt es eine Rolle, wenn die Erinnerungen nicht die eigenen sind, sondern die Erfahrungen eines anderen? Insbesondere in dem Fall, da der Android das gar nicht weiss? Der Schauspieler Harrison Ford interessierte sich vor allem für diese Frage, wie man später in Interviews liest. Regisseur Ridley Scott legt offensichtlich den Schwerpunkt auf das Kreieren einer futuristischen Welt. Darin ist er bis heute ungeschlagen! Seine Dystopie zu gestalten war ihm noch wichtiger als sie mit plausiblen Charakteren zu füttern - ein altes Scott Problem. Visuell erstaunlich, doch die Geschichte krankt manchmal. Scotts Leistung, die Blade Runner Welt bis ins Detail zu entwerfen, mit eigener Mode und Ideen wie den Sky-Taxis - das bleibt! Wenn ich aber den hochgelobten Blade Runner heute wiedersehe, merke ich doch, dass mich etwas stört. Die Technologie erschlägt die Geschichte. Ford spielt zwar so, dass wir seinen Charakter vor Augen haben, dasselbe git für Rutger Hauer und Sen Young - der Film aber interessiert sich nicht allzu sehr dafür. Die Liebesgeschichte ist obligatorisch, wir hätten uns gewundert, hätte Scott die weggespart. Und der Höhepunkt? Mehr als ein Cliffhanger mit offenem Ausgang? Blade Runner wirkt seinen Replikanten verwandt: Der Traum vom mechanischen Menschen - nicht aus Fleisch und Blut. Doch hat ein Film, in dem die Oberfläche alles ist, keine Berechtigung? Und das ausgerechnet in den 80ern? Scott spielt mit Genres und hat womöglich den ultimativen Film Noir gemacht. Blade Runner, eine Reise ans Ende der Nacht. Hier regnet es normalerweise und der Himmel ist mit dunklen Wolken verhangen. Bestimmt wirkt Blade Runner heute sogar noch prophetischer als er es 1982war...
Our Daily Free Strem: Ridley Scott - Blade Runner. Ob wir wollen oder nicht; das Remake von Dennis Villeneuve schreitet langsam voran. Hier das Original. - Das ist also "Jetzt", die Zukunft. Die Autos sehen aus wie Boxen, doch immer noch wird so etwas wie Rock'n Roll im Radio gespielt. Blade Runner eröffnet eine Zukunft 2020 in Los Angeles. L.A. sieht aus wie Tokyo und tatsächlich trinkt ein japanisches Mädchen Coca Cola. Immerhin: Es sieht sensationell aus! Die Wolkenkatzer sind noch ein Stück gewachsen und die Menschen fahren umher in Vehikles, die alles können. Fahren, fliegen, klettern. L.A., ein urbaner Dschungel. Durch die "Mean Streets", die wir kein Mal bei Tageslicht sehen, streift Harrison Ford. Er sucht eine Gruppe Replikanten, die aus der Off-World geflohen sind. Er ist ein Lakoniker, kompetent und zynisch. Sein Job: Die Replikanten aufspüren und eliminieren. Was als nächstes geschehen mag, ist nicht schwer vorauszusagen: Er verliebt sich in eine von ihnen. Sie ist nicht menschlich, doch was bedeutet das schon? Wohl deshalb trägt die Original Geschichte von Philip K. Dick den Titel "Do Androids Dream of Electric Sheep?". Vor allem geht um die Unterschiede zwischen "Mensch" und "Replikant", also "Nicht-Mensch" - um deren Erinnerung. Spielt es eine Rolle, wenn die Erinnerungen nicht die eigenen sind, sondern die Erfahrungen eines anderen? Insbesondere in dem Fall, da der Android das gar nicht weiss? Der Schauspieler Harrison Ford interessierte sich vor allem für diese Frage, wie man später in Interviews liest. Regisseur Ridley Scott legt offensichtlich den Schwerpunkt auf das Kreieren einer futuristischen Welt. Darin ist er bis heute ungeschlagen! Seine Dystopie zu gestalten war ihm noch wichtiger als sie mit plausiblen Charakteren zu füttern - ein altes Scott Problem. Visuell erstaunlich, doch die Geschichte krankt manchmal. Scotts Leistung, die Blade Runner Welt bis ins Detail zu entwerfen, mit eigener Mode und Ideen wie den Sky-Taxis - das bleibt! Wenn ich aber den hochgelobten Blade Runner heute wiedersehe, merke ich doch, dass mich etwas stört. Die Technologie erschlägt die Geschichte. Ford spielt zwar so, dass wir seinen Charakter vor Augen haben, dasselbe git für Rutger Hauer und Sen Young - der Film aber interessiert sich nicht allzu sehr dafür. Die Liebesgeschichte ist obligatorisch, wir hätten uns gewundert, hätte Scott die weggespart. Und der Höhepunkt? Mehr als ein Cliffhanger mit offenem Ausgang? Blade Runner wirkt seinen Replikanten verwandt: Der Traum vom mechanischen Menschen - nicht aus Fleisch und Blut. Doch hat ein Film, in dem die Oberfläche alles ist, keine Berechtigung? Und das ausgerechnet in den 80ern? Scott spielt mit Genres und hat womöglich den ultimativen Film Noir gemacht. Blade Runner, eine Reise ans Ende der Nacht. Hier regnet es normalerweise und der Himmel ist mit dunklen Wolken verhangen. Bestimmt wirkt Blade Runner heute sogar noch prophetischer als er es 1982war...
Samstag, 13. August 2016
FILM LIST: Philip K. Dick
Philip K. Dick
Philip K. Dick, Jahrgang 1928, gebürtig in Chicago hatte einen Lebenstraum ganz bestimmt nicht: In die Nähe von Hollywood zu kommen. Er hasste die Traumstadt. Umgekehrt verhält sichs etwas anders. Dick ist seit fast 40 Jahren einer der gefragtesten Autoren Hollywoods! Er, der einmal von sich behauptete, man müsse ihn schon am Lenkrad seines Autos festbinden, um ihn nach Hollywood zu transportieren, gleicht nun den dort herrschenden Mangel an guten Stoffen aus. Mittlerweile ist es so, dass ein Wettstreit über die noch verfügbaren Romane ausgebrochen ist, obwohl Dick über 40 davon schrieb (und noch einmal 120 Kurzgeschichten). Ironie des Schicksals: Dick schrieb ein Leben lang gegen den Untergang an, seine Erben verdienen heute Millionen. Genauso verkaufen sich seine Bücher mittlerweile wie von selbst - sogar "seriöse" Kritiker feiern Dick! Die New York Times kürte ihn zu einem der grossen psychologischen Forscher des 20. Jahrhunderts - und das obwohl SciFi Romane traditionell in die Billig-Ecke gehören. Der Feind des Menschen ist der Mensch. Kein Alien oder gar ein Marsianer. Es sind totalitäre Staaten und übermächtige Konzerne. Raffiniert und immer düster dringt Dick in diese Welt ein. Einzige verlässliche Komponente: Es wird nicht gut ausgehen. Dick selbst wähnte sich als Opfer staatlicher Verschwörungen. Ein Einbruch in sein Haus - es war für ihn kein Zufall. Er, der sich zeitweise von Hundefutter ernährte, erlebte den Kinostart von Blade Runner nicht. Dick starb vorher an Herzversagen.Freitag, 12. August 2016
Our Daily Free Stream: Bob Rafelson - The Postman Always Rings Twice
Our Daily Free Stream: Bob Rafelson - The Postman Always Rings Twice. The Postman Always Rings Twice - und zwar das Remake von 1981, ist meisterhaft gefilmt und darin geradezu aufreizend! Technisch auf höchstem Niveau, schauspielerisch auch, mit fesselnder Atmosphäre! Dann aber, nach der Hälfte etwa, muss ich mich verirrt haben. Was will mir der Film über seine Charaktere sagen? Warum teilen wir überhaupt ihre Geschichte? War es notwendig, sie zu erzählen, da der Film doch offenbar kaum Interesse an ihren Gefühlen zeigt, geschweige denn, an sie glaubt! The Postman Always Rings Twice basiert auf dem Roman von James M. Cain und der ist, genau wie die Original Verfilmung aus dem Jahr 1946, harter Tobak! Kein Wunder, dass Bob Rafelson sich an eine Neuverfilmung machte; vor allem war es endlich möglich, die expliziten Sex- und Gewaltszenen zu zeigen. Er lag richtig. Der Film strahlt eine ungeheure physische Kraft aus, vor allem in den Liebes(?)-Szenen mit Jack Nicholson und Jessica Lange. Nicholson spielt einen Gauner, einen Hochstapler, der sich durch die Zeit der grossen Depression schlägt. Lange verkörpert eine gelangweilte Ehefrau, die gemeinsam mit ihrem viel älteren griechischen Gatten (John Colicos) einen Laden betreibt. In dem Moment, da sie sich zum ersten Mal sehen, stürzen sie sich übereinander, lieben sich animalisch. Möglicherweise töten beide den Ehemann. In Rafelsons Film stellt sich ein Mord als grosse Schwierigkeit dar, denn eine Leiche ist schwer und Blut schwer zu säubern. Irgendwann tritt noch Anjelica Huston auf, fast so, als wäre sie der Stargast eines anderen Films. Ein Triumph der Atmosphäre, in der jedes alte Auto oder Coca Cola Schild liebevoll ausgesucht wurde! Klischees werden hier mit ausgesuchtem Stilwillen erfüllt. Für die Nicholson Fraktion: Selten sah man ihn schäbiger, cleverer und getriebener. Schauspiel, an Intensität kaum zu überbieten! Dennoch: Weder fühlen wir die Tragödie, wenn der Ehemann stirbt, noch die Grösse einer romantischen Beziehung. Nichts wird erzählt über ihre Schuld oder gar ihr Schicksal. Nie kommt es mir so vor, als würde ich die Charaktere nun kennen. Sie existieren, sie essen, sie schlafen, sie bumsen. Sie agieren. Schön wärs, könnten uns Rafelson und seine Team irgendwelche Gefühle für sie vermitteln. Leider bleiben sie aber immer nur an der Oberfläche.
Our Daily Free Stream: Bob Rafelson - The Postman Always Rings Twice. The Postman Always Rings Twice - und zwar das Remake von 1981, ist meisterhaft gefilmt und darin geradezu aufreizend! Technisch auf höchstem Niveau, schauspielerisch auch, mit fesselnder Atmosphäre! Dann aber, nach der Hälfte etwa, muss ich mich verirrt haben. Was will mir der Film über seine Charaktere sagen? Warum teilen wir überhaupt ihre Geschichte? War es notwendig, sie zu erzählen, da der Film doch offenbar kaum Interesse an ihren Gefühlen zeigt, geschweige denn, an sie glaubt! The Postman Always Rings Twice basiert auf dem Roman von James M. Cain und der ist, genau wie die Original Verfilmung aus dem Jahr 1946, harter Tobak! Kein Wunder, dass Bob Rafelson sich an eine Neuverfilmung machte; vor allem war es endlich möglich, die expliziten Sex- und Gewaltszenen zu zeigen. Er lag richtig. Der Film strahlt eine ungeheure physische Kraft aus, vor allem in den Liebes(?)-Szenen mit Jack Nicholson und Jessica Lange. Nicholson spielt einen Gauner, einen Hochstapler, der sich durch die Zeit der grossen Depression schlägt. Lange verkörpert eine gelangweilte Ehefrau, die gemeinsam mit ihrem viel älteren griechischen Gatten (John Colicos) einen Laden betreibt. In dem Moment, da sie sich zum ersten Mal sehen, stürzen sie sich übereinander, lieben sich animalisch. Möglicherweise töten beide den Ehemann. In Rafelsons Film stellt sich ein Mord als grosse Schwierigkeit dar, denn eine Leiche ist schwer und Blut schwer zu säubern. Irgendwann tritt noch Anjelica Huston auf, fast so, als wäre sie der Stargast eines anderen Films. Ein Triumph der Atmosphäre, in der jedes alte Auto oder Coca Cola Schild liebevoll ausgesucht wurde! Klischees werden hier mit ausgesuchtem Stilwillen erfüllt. Für die Nicholson Fraktion: Selten sah man ihn schäbiger, cleverer und getriebener. Schauspiel, an Intensität kaum zu überbieten! Dennoch: Weder fühlen wir die Tragödie, wenn der Ehemann stirbt, noch die Grösse einer romantischen Beziehung. Nichts wird erzählt über ihre Schuld oder gar ihr Schicksal. Nie kommt es mir so vor, als würde ich die Charaktere nun kennen. Sie existieren, sie essen, sie schlafen, sie bumsen. Sie agieren. Schön wärs, könnten uns Rafelson und seine Team irgendwelche Gefühle für sie vermitteln. Leider bleiben sie aber immer nur an der Oberfläche.
Donnerstag, 11. August 2016
Our Daily Free Stream: The Long Good Friday
Our Daily Free Stream: The Long Good Friday. Bob Hoskins spielt Harold Shand, einen Londoner Gangster, hart wie Stein. Sein Revier, die Docks. Mit Mafia Geld aus den USA hat er dort einen der grössten Immobilien Coups der letzten Zeit vor. Er ist klein, mit einem rundlichen Gesicht und Zähnen, die permanent knirschen. Was Harold nicht glauben kann: Auch seine Welt kann zerbrechen - und sie wird, innerhalb einer einzigen Woche. Harold Shand kommt von der Strasse, doch lebt nun in einem Penthouse. Er unterhält eine Yacht und darüber hinaus eine ansehnliche Geliebte (Helen Mirren). Obsessiv liebt er es über seine letzten zehn Jahre im Londoner Untergrund zu erzählen - bis eine Autobombe seinen Rolls Royce hochjagt. Eine zweite Bombe zerstört seinen geliebten Pub (den er selbst betreibt). Eine dritte Detonation in seinem Casino schlägt fehl. Wer ist hinter ihm her? Wer ist dieser Feind? Und warum sucht er sich ausgerechnet dieses Wochenende aus, an dem ein amerikanischer Mafioso die Geldübergabe mit ihm abwickelt? In gewisser Weise beantwortet The Long Good Friday diese Fragen. Das Sujet dieses meisterhaften, rohen Thrillers aber sind die Probleme des Harold Shand. Der Film dient als vorzügliche Charakterstudie und selten habe ich eine so lebendige Kinofigur gesehen! Harold ist von Grund auf böse, sadistisch und grausam. Er ist aber auch eine Person voller Widersprüche und manchmal verstehen wir ihn so sehr, dass wir beginnen, mit ihm zu fühlen. Kalt und hart gegenüber anderen Gangstern, doch was für ein Schwächling, wenn seine Geliebte die Stimme erhebt! Er hängt seine Feinde an Fleischerhaken auf, kopfabwärts, dann wiederum ist er ganz rührend zu den Kids in der Nachbarschaft. Ein Mann, der seinen Weg gegangen ist und stets genau weiss, was zu tun ist - bis zu diesem Moment, da er von einem gesichtslosen Feind bedroht wird. The Long Good Friday beginnt scheinbar ganz unzusammenhängend, mit einer losen Folge von Ereignissen, die nur durch ein musikalisches Thema zusammengehalten werden. Vielleicht ist alles, was geschieht auch nur ein Misverständnis durch die IRA? Die wahre Geschichte; Harold kennt sie und wir auch. Bob Hoskins SCHAUSPIEL, die energetische Inszenierung, die ergreifende Filmmusik... Ein grosser Film, in dem Harold ganz langsam lernt, wie es ist, seine eigene bittere Medizin schlucken zu müssen...
Our Daily Free Stream: The Long Good Friday. Bob Hoskins spielt Harold Shand, einen Londoner Gangster, hart wie Stein. Sein Revier, die Docks. Mit Mafia Geld aus den USA hat er dort einen der grössten Immobilien Coups der letzten Zeit vor. Er ist klein, mit einem rundlichen Gesicht und Zähnen, die permanent knirschen. Was Harold nicht glauben kann: Auch seine Welt kann zerbrechen - und sie wird, innerhalb einer einzigen Woche. Harold Shand kommt von der Strasse, doch lebt nun in einem Penthouse. Er unterhält eine Yacht und darüber hinaus eine ansehnliche Geliebte (Helen Mirren). Obsessiv liebt er es über seine letzten zehn Jahre im Londoner Untergrund zu erzählen - bis eine Autobombe seinen Rolls Royce hochjagt. Eine zweite Bombe zerstört seinen geliebten Pub (den er selbst betreibt). Eine dritte Detonation in seinem Casino schlägt fehl. Wer ist hinter ihm her? Wer ist dieser Feind? Und warum sucht er sich ausgerechnet dieses Wochenende aus, an dem ein amerikanischer Mafioso die Geldübergabe mit ihm abwickelt? In gewisser Weise beantwortet The Long Good Friday diese Fragen. Das Sujet dieses meisterhaften, rohen Thrillers aber sind die Probleme des Harold Shand. Der Film dient als vorzügliche Charakterstudie und selten habe ich eine so lebendige Kinofigur gesehen! Harold ist von Grund auf böse, sadistisch und grausam. Er ist aber auch eine Person voller Widersprüche und manchmal verstehen wir ihn so sehr, dass wir beginnen, mit ihm zu fühlen. Kalt und hart gegenüber anderen Gangstern, doch was für ein Schwächling, wenn seine Geliebte die Stimme erhebt! Er hängt seine Feinde an Fleischerhaken auf, kopfabwärts, dann wiederum ist er ganz rührend zu den Kids in der Nachbarschaft. Ein Mann, der seinen Weg gegangen ist und stets genau weiss, was zu tun ist - bis zu diesem Moment, da er von einem gesichtslosen Feind bedroht wird. The Long Good Friday beginnt scheinbar ganz unzusammenhängend, mit einer losen Folge von Ereignissen, die nur durch ein musikalisches Thema zusammengehalten werden. Vielleicht ist alles, was geschieht auch nur ein Misverständnis durch die IRA? Die wahre Geschichte; Harold kennt sie und wir auch. Bob Hoskins SCHAUSPIEL, die energetische Inszenierung, die ergreifende Filmmusik... Ein grosser Film, in dem Harold ganz langsam lernt, wie es ist, seine eigene bittere Medizin schlucken zu müssen...
FILM LIST: Film Noir World Cinema
Drei Genres hat uns Hollywood geschenkt: Den Western, das Musical und den Film Noir. Während die ersten beiden Genres ihre grösste Popularität feierten, als sie ins Kino kamen, erlebte der Film Noir seinen Aufstieg im nachhinein. Ein Genre, das von Kritikern so benannt und im Kreise der Cinephilen entdeckt wurde. Schwierig, überhaupt zu definieren, was Film Noir eigentlich umfasst! Das Genre der Dunkelheit, der Nacht, der Schatten und der "Mean Streets". Bevölkert werden sie von Verlierern und kleinen Gangstern. Fast immer stehen Verbrecher im Mittelpunkt, jedoch werden sie nie glorifiziert, wie es der Gangsterfilm der 30er tat. Die Verbrechen, sie passieren einfach. Aus Verzweiflung, sogar aus Versehen oder einem dunklen Antrieb. Oft sind auch Frauen beteiligt - und meistens sind sie nicht die Opfer! Alle leben in der Nacht, der Welt aus Neonlichtern, leeren Bars und einsamen Hotelzimmern. Die Frauen sind verführerisch aufgemacht in billigen Kleidern und Federboas (der Reiz der Unterschicht), die Männer tragen Hüte, Anzüge mit hochgestecktem Kragen und Krawatte. Geraucht wird immer! Niemals war diese Art von Film populärer als heute! Interessant auch, dass der Film Noir nun aus aller Welt kommt! Es ist sogar möglich, einige Zutaten wegzulassen und doch erkennbar Noir zu machen! Einige Werke dieser Liste spielen sogar im gleissenden Sonnenlicht. Es ist doch so: Wir haben die Bausteine des Film Noir verinnerlicht, wuchsen alle mit ihnen auf. Nun wollen wir damit spielen, das Genre neu entdecken!
Drei Genres hat uns Hollywood geschenkt: Den Western, das Musical und den Film Noir. Während die ersten beiden Genres ihre grösste Popularität feierten, als sie ins Kino kamen, erlebte der Film Noir seinen Aufstieg im nachhinein. Ein Genre, das von Kritikern so benannt und im Kreise der Cinephilen entdeckt wurde. Schwierig, überhaupt zu definieren, was Film Noir eigentlich umfasst! Das Genre der Dunkelheit, der Nacht, der Schatten und der "Mean Streets". Bevölkert werden sie von Verlierern und kleinen Gangstern. Fast immer stehen Verbrecher im Mittelpunkt, jedoch werden sie nie glorifiziert, wie es der Gangsterfilm der 30er tat. Die Verbrechen, sie passieren einfach. Aus Verzweiflung, sogar aus Versehen oder einem dunklen Antrieb. Oft sind auch Frauen beteiligt - und meistens sind sie nicht die Opfer! Alle leben in der Nacht, der Welt aus Neonlichtern, leeren Bars und einsamen Hotelzimmern. Die Frauen sind verführerisch aufgemacht in billigen Kleidern und Federboas (der Reiz der Unterschicht), die Männer tragen Hüte, Anzüge mit hochgestecktem Kragen und Krawatte. Geraucht wird immer! Niemals war diese Art von Film populärer als heute! Interessant auch, dass der Film Noir nun aus aller Welt kommt! Es ist sogar möglich, einige Zutaten wegzulassen und doch erkennbar Noir zu machen! Einige Werke dieser Liste spielen sogar im gleissenden Sonnenlicht. Es ist doch so: Wir haben die Bausteine des Film Noir verinnerlicht, wuchsen alle mit ihnen auf. Nun wollen wir damit spielen, das Genre neu entdecken!
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