Das ist der Stoff, aus dem Männerphantasien sind: Ein nicht mehr ganz junges Exemplar seiner Schöpfung, der natürlich den Namen Adam (Hanns Zischler) trägt, lebt mit seiner Frau Eva (Cora Frost) zusammen. Zu seinem 60. Geburtstag wünscht er sich, mit den wichtigsten Frauen seines Lebens eine Woche zu verbringen. Sieben an der Zahl. Ehrengast, sein Sohn, den er seit zwanzig Jahren nicht mehr sah. Willkommen im magischen Realismus des Rudolf Thome: Adam und Eva, gemeinsam mit sieben Frauen im Paradies für sieben Tage. Und dann auch noch der verlorene Sohn! Thome gelingt es, seine Metaphern gleichermassen witzig und anspruchsvoll zu servieren. Ein echter Sommerfilm! Thome verzichtet darauf, das Geschehen zuzuspitzen. Wilde Leidenschaft oder Eifersucht, das gibt es nicht in Paradiso(...)
Wir sind Bar UND Videothek. Cinegeek.de ist unser Social Network für besondere Filme, aufbauend auf unserer Filmkunstbar Fitzcarraldo. Hier findest du unseren DVD Katalog, den wir, die Videothekare und ihr, die Kunden, gemeinsam zusammengestellt haben (klick auf "Featured Movies"). Darüber hinaus haben wir alle Empfehlungen als "Film Lists" veröffentlicht.
Montag, 20. November 2017
youtube stream: Rudolf Thome - Paradiso
Das ist der Stoff, aus dem Männerphantasien sind: Ein nicht mehr ganz junges Exemplar seiner Schöpfung, der natürlich den Namen Adam (Hanns Zischler) trägt, lebt mit seiner Frau Eva (Cora Frost) zusammen. Zu seinem 60. Geburtstag wünscht er sich, mit den wichtigsten Frauen seines Lebens eine Woche zu verbringen. Sieben an der Zahl. Ehrengast, sein Sohn, den er seit zwanzig Jahren nicht mehr sah. Willkommen im magischen Realismus des Rudolf Thome: Adam und Eva, gemeinsam mit sieben Frauen im Paradies für sieben Tage. Und dann auch noch der verlorene Sohn! Thome gelingt es, seine Metaphern gleichermassen witzig und anspruchsvoll zu servieren. Ein echter Sommerfilm! Thome verzichtet darauf, das Geschehen zuzuspitzen. Wilde Leidenschaft oder Eifersucht, das gibt es nicht in Paradiso(...)
Das ist der Stoff, aus dem Männerphantasien sind: Ein nicht mehr ganz junges Exemplar seiner Schöpfung, der natürlich den Namen Adam (Hanns Zischler) trägt, lebt mit seiner Frau Eva (Cora Frost) zusammen. Zu seinem 60. Geburtstag wünscht er sich, mit den wichtigsten Frauen seines Lebens eine Woche zu verbringen. Sieben an der Zahl. Ehrengast, sein Sohn, den er seit zwanzig Jahren nicht mehr sah. Willkommen im magischen Realismus des Rudolf Thome: Adam und Eva, gemeinsam mit sieben Frauen im Paradies für sieben Tage. Und dann auch noch der verlorene Sohn! Thome gelingt es, seine Metaphern gleichermassen witzig und anspruchsvoll zu servieren. Ein echter Sommerfilm! Thome verzichtet darauf, das Geschehen zuzuspitzen. Wilde Leidenschaft oder Eifersucht, das gibt es nicht in Paradiso(...)
Sonntag, 19. November 2017
youtube stream: Blue In The Face
Smoke liebe ich und deshalb wirkt auch der Nachfolger Blue In The Face ganz so als ob ich meine Stammkneipe betrete. Hier sind sie wieder, die New Yorker, die scheinbar keine eigene Wohnung haben und stattdessen im Brooklyn Cigar & Co herumhängen. Blue In The Face wurde in nur sechs Tagen abgedreht und wirkt auch so: Unfertig. Genau das macht seinen Reiz aus! Hier geht's eben einfach nur um Kunden, die im Brooklyn Cigar & Co aus- und eingehen und ins Gespräch miteinander kommen. Manche Szenen sind besser, andere schlechter gelungen. Keine kommt je zum Punkt, aber genau das macht den Charme von Blue In The Face aus. Roseanne, Madonna und Jim Jarmusch, der vorhat, seine aller letzte Zigarette zu rauchen, schauen vorbei. Eins wird schnell klar, Blue In The Face ist mehr Komödie als Smoke! Wir bemerken dabei ganz nebenbei, dass nicht jeder Schauspieler die Gabe zur Improvisation hat (nicht in dem Masse wie Harvey Keitel!). Während also ein Stargast nach dem anderen den Laden betritt, erscheint auf einmal der Besitzer (Victor Argo) und droht mit Kündigung. Zukünftig soll eine Bio-Kette da rein (!!!!!!!!!!!). Keitels Auggie erklärt, dass sein Laden ein Stück Nachbarschaft sei und deshalb unmöglich geschlossen werden könnte. Ein Stück Kiez würde sterben! Schmerzhaft sei an die Brooklyn Dodgers erinnert und wie sie eines Tages wegzogen...
Samstag, 18. November 2017
youtube stream: Smoke
Smoke ist ein Film der Worte, der Geheimnisse und vor allem des Tabakgenusses! Im Grunde handelts von einer Gruppe einsamer Männer und ein paar vereinsamter Frauen, die sich mitten in New York, in Brooklyn, eine kleine Parallelwelt aufgebaut haben. Eine Welt voller Melancholie, ganz darauf ausgerichtet, die Zeit totzuschlagen (und Tabak zu geniessen). In Smoke wird deshalb auch ungeheuer viel geredet und zwar von den grossen Träumen und dem, was man von ihnen mitnehmen kann. Das Zentrum von Smoke ist der Brooklyn Cigar & Co Store (wir würden das einen "Späti" nennen). Er liegt genau an der Kreuzung der Third Street / Eighth Avenue. Betrieben wird die Brooklyn Cigar & Co von Auggie Wren (Harvey Keitel) und für ihn bedeutet dieses Eckgeschäft das Zentrum der ganzen Welt. Das muss man wörtlich nehmen, denn Auggie macht sogar jeden Morgen ein Foto von seiner Ecke! Gelegentlich zeigt er sein Fotoalbum Paul (William Hurt), einem Schriftsteller und Stammkunden. "That's my Project"; erzählt Auggie; "What you'd call my life's work". Natürlich sehen die Bilder nicht sehr unterschiedlich aus. "They're all the same," so Auggie, "but each one is different from all the others." Auf einmal entdeckt Paul seine Frau, die eines Morgens, schwanger, erschossen wurde. "Look at her. Look at my sweet Darling" - Paul beginnt zu weinen. Nun sind nicht mehr alle Fotos gleich. Smoke ist einer dieser Filme, die wissen, dass es die kleinen Dinge sind, die das Leben ausmachen. Auggie erinnert sich an den Morgen als Pauls Frau erschossen wurde. Hätte er ihr nicht gleich das Wechselgeld herausgegeben; wäre irgendetwas passiert, dass Zeit gekostet hätte... dann wäre sie nicht in die Schiesserei geraten. Und auch Pauls Leben hängt von Momenten ab. Einmal wird er fast von einem Lastwagen überfahren, doch Rashid (Harold Perrineau Jr.) zieht ihn zurück. Paul würde sich gern lebenslang revanchieren, denn ist das nicht eine der universalen Regeln? Für Rashid tuts aber auch eine Limonade. Irgendwie wird Rashid sogar zu Pauls Mitbewohner, was dessen Tante wiederum nicht verstehen kann. Das Leben geht weiter. Auggies Ex-Freundin erscheint nach Jahren und erzählt, dass Auggies Tochter (ja?/nein?) Felicity (Ashley Judd) schwanger sei. Ein Kind ohne Eltern ist auch Rashid, bis zu dem Tag, da er seinen Vater (Forest Whitaker) dort an einer Tankstelle irgendwo in einer kleinen Stadt verfolgt... Längst wissen wir, dass das Leben keinem Plan unterliegt, sondern einzig vom Glück bestimmt wird. Glück, Zufall und Ironie, darauf baut alles auf. Zumindest in Smoke. Regisseur Wayne Wang und sein Drehbuch-Autor Paul Auster glauben beide offensichtlich fest daran und haben so ihrem Film diese kleinen, besonderen Momente spendiert, die Smoke so wundervoll machen! Getragen wird Smoke auch von Harvey Keitel, der wie kein zweiter Schauspieler das Indie Kino der 90er dominiert. Gibt es überhaupt einen Film von Rang aus der Zeit ohne Keitel? So unveränderlich wirken sein Gesicht und sein Körper, dass man die Rollen Keitels kaum auseinanderhalten kann. Sind das wirklich verschiedene Charaktere oder einfach er selbst? Doch das wäre genauso ungerecht wie die Behauptung, Auggies Fotos würden alle gleich aussehen. In Smoke jedenfalls hält Keitel alles zusammen. Alles dreht sich um seinen Laden und seine Figur. Ansonsten verzichtet Smoke auf jede dramaturgische Zuspitzung. Der Film entspricht dem Leben der Stammkunden der Brooklyn Cigar & Co. Er folgt diesen Typen, die so verloren durch ihr eigenes Leben stolpern(...)
Donnerstag, 16. November 2017
youtube stream: Zhang Yimou - To Live
To Live mag zwar ein simpler Titel sein, doch dahinter verbirgt sich ein ganzes Universum. Wir erleben das China der 40er, die grosse Zeit des Glückspiels und schliesslich die Zeit der Austeritäts-Politik während der 60er Jahre der kulturellen Revolution. To Live zeigt den Fall einer Familie aus der Sicht der Frau. Die Hoffnung stirbt, das Schicksal zeigt sich gnadenlos. Sie verliert ihr Vermögen, ihre Position und ihre Kinder und fasst das alles in einem Satz zusammen: "All I ask is a quiet life together." To Live ist eines der grossen Meisterwerke des chinesischen Regisseurs Zhang Yimou. Damals, 1994, zählte man ihn zu Chinas führenden Filmemachern, nach To Live wurde er zwei Jahre lang mit einem Bann belegt. Seine Frau, Chinas grösster Star Gong Li, Yimous Frau, wurde ebenfalls gebannt (heute arbeiten beide eng mit der Partei zusammen). Wie die grossen Filme von Zhang Yimou und Gong Li folgt To Live der Geschichte einer starken Frau - die in diesem Fall aber an der Seite eines starken Mannes steht. Beide sind aneinander gekettet durch unfassbare Not und Armut. Zunächst sind die Probleme hausgemacht von Fugui (Ge You), einem degenerierten Zocker, der das Haus der Familie verspielt. Sein Vater prügelt Fugui mit einem Stock, seine Frau Jiazhen (Gong Li) will nichts mehr mit ihm zu tun haben. Sein Leben lang war Fugui träge und faul, nun findet er sich auf der Strasse wieder. Er tritt als Puppenspieler auf und gerät besoffen zwischen die Fronten der nationalen und roten Armee. Wird er über die rote Armee zurückfinden in seine Heimatstadt? Zurück zu seiner Frau und den Kindern? Das Leben ist ungeheuer hart, doch sie überleben die dunklen Tage des kommunistischen Regimes. Die Jahre kommen und gehen, Mao Tse Tung dankt ab, Regen und Sonne wechseln. Irgendwie leben sie... Ich bin der Meinung, dass die tollsten Filme oft aus Ländern kommen, in denen es die Menschen am schwersten haben. Damals in den 90ern begann die grosse Zeit des chinesischen Kinos trotz widriger Bedingungen. Jahrzehntelang gab es keine nennenswerten Filme aus der Volksrepublik. Auf einmal begann die sogenannte 5. Generation(...)
Mittwoch, 15. November 2017
FILM LIST: Magic Realism
Es gehört zum Merkmal des Magischen Realismus, dass er sich jeder Defintion entzieht. Viele Versuche wurden unternommen. Oft hat man den magischen Realismus als literarischen Stil aus Lateinamerikas bezeichnet, der fantastische und mystische Elemente benutzt - gepaart mit realen. Etwa die Romane von Gabriel Garcia Márquez und Jorge Luis Borges. Die fantastischen Elemente dienen bei ihnen immer dazu, die Realität klarer zu durchschauen. Hier kann das gezeigt werden, was mit Worten nicht beschreibbar wäre! Was steht hinter der Magie? Hier fängt unser Spiel an; das Spiel unserer Imagination...
Es gehört zum Merkmal des Magischen Realismus, dass er sich jeder Defintion entzieht. Viele Versuche wurden unternommen. Oft hat man den magischen Realismus als literarischen Stil aus Lateinamerikas bezeichnet, der fantastische und mystische Elemente benutzt - gepaart mit realen. Etwa die Romane von Gabriel Garcia Márquez und Jorge Luis Borges. Die fantastischen Elemente dienen bei ihnen immer dazu, die Realität klarer zu durchschauen. Hier kann das gezeigt werden, was mit Worten nicht beschreibbar wäre! Was steht hinter der Magie? Hier fängt unser Spiel an; das Spiel unserer Imagination...
Dienstag, 14. November 2017
youtube stream: Vittorio De Sica - Bicycle Thieves
DU FINDEST DEN GANZEN FILM AUF YOUTUBE MIT ENGLISCHEN UNTERTITELN - stell die Geschwindigkeit auf 1,25 unter "Einstellungen") Vittorio de Sicas Bicyle Thieves ist ein so ehrwürdiges und in jedem Lexikon gepriesenes Meisterwerk, dass ich richtig erstaunt war, wie lebendig und frisch der Film heute noch ist! Klar, 1949 wurde der Film mit dem Oscar prämiert und seitdem in reiner Routine zu den grössten Filmen aller Zeiten gezählt. Eigentlich ist es doch aber ein simpler Film über einen Mann, der Arbeit sucht. Der Regisseur Vittorio de Sica war von einer Tatsache fest überzeugt: Dass jeder von uns EINE Rolle wirklich spielen kann - sich selbst! Geschrieben wurde Bicycle Thieves von Cesare Zavattini, der als Vater des italienischen Neorealismus gilt. Von ihm stammt ein berühmter Aufsatz, wie er und de Sica im echten Leben nach Figuren suchten. Es war die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und Italien war von Armut gelähmt. Die Geschichte ist schnell erzählt. Lamberto Maggiorani, ein Nicht-Schauspieler, verkörpert Ricci, einen Mann, der jeden Morgen den hoffnungslosen Versuch unternimmt, Arbeit zu finden. Eines Tages aber hat er Erfolg: Ein Job wird geboten für einen Mann, der ein Fahrrad besitzt. Und Ricci besitzt ein Fahrrad! Doch er musste es verpfänden. Nur mit grösster Mühe gelingt es Ricci und sein Frau, das Fahrrad einzulösen und so kann Ricci als Post-Zusteller arbeiten. Einmal stellt er sein Fahrrad unachtsam ab, ohne es anzuschliessen. Wir erwarten, dass es geklaut wird - jedoch ist das Rad noch an seiner Stelle, als Ricci zurückkehrt. Dann aber wird es tatsächlich gestohlen - ohne Zweifel von einem anderen Mann, der einen Job sucht. Ricci, gemeinsam mit seinem kleinen Sohn Bruno (Enzo Staiola), versucht den Dieb zu fassen. Doch WIE in den verwinkelten Strassen Roms? Und natürlich ist die Polizei keine Hilfe. Ricci gibt letztlich auf und bringt seinem Sohn bei, dass Leben nichts als Leid bedeutet. Du lebst und leidest. Zur Hölle mit dem Leben! - und deshalb essen Ricci und sein Sohn eine Pizza. Um sich das leisten zu können, müsste man eine Million Lire im Monat verdienen, so Ricci zu Bruno. Einen Moment darauf aber entdeckt Ricci den Fahrrad-Dieb und verfolgt ihn bis zu einem Bordell. Dort wartet eine hässliche Menge. Ein Polizist naht, doch der kann nicht helfen, denn es gibt keine Zeugen ausser Ricci selbst. Was soll Ricci tun? Schliesslich wird er selbst dazu verleitet, ein Rad zu klauen in diesem Kreislauf aus Armut und Diebstahl. So direkt wird Bicycle Thieves erzählt, dass es mehr einer Parabel, denn einem Drama gleicht. Manchmal mag es etwas enttäuschend sein, dass Riccis Charakter im Grunde nur in der Pizzeria Szene richtig lebendig erscheint. Doch das mag am Charakter der Parabel liegen. Trotzdem ist Ricci eine zeitlose Figur. Ein Mann, der alles daran legt, seine Familie zu beschützen. Wer könnte sich nicht mit ihm identifizieren? Und im Ernst; wer nicht weinen muss nach Bicycle Thieves - was fühlt dieser Mensch überhaupt? Neorealismus als Begriff kann eine ganze Menge bedeuten. Vor allem verstehe ich darunter aber Filme aus dem sozialen täglichen Leben, geboren in der Armut nach dem Krieg. In Bicycle Thieves führt de Sica die neorealistische Welt sehr pointiert ein, in dem Moment, da Ricci vor einem grossen "Rita Hayworth" Plakat sein Fahrrad sucht. Hier die neorealistische Welt, dort Hollywood. Die Kernaussage lautet: In einer besseren Gesellschaft würde der Wohlstand gerechter verteilt sein.
DU FINDEST DEN GANZEN FILM AUF YOUTUBE MIT ENGLISCHEN UNTERTITELN - stell die Geschwindigkeit auf 1,25 unter "Einstellungen") Vittorio de Sicas Bicyle Thieves ist ein so ehrwürdiges und in jedem Lexikon gepriesenes Meisterwerk, dass ich richtig erstaunt war, wie lebendig und frisch der Film heute noch ist! Klar, 1949 wurde der Film mit dem Oscar prämiert und seitdem in reiner Routine zu den grössten Filmen aller Zeiten gezählt. Eigentlich ist es doch aber ein simpler Film über einen Mann, der Arbeit sucht. Der Regisseur Vittorio de Sica war von einer Tatsache fest überzeugt: Dass jeder von uns EINE Rolle wirklich spielen kann - sich selbst! Geschrieben wurde Bicycle Thieves von Cesare Zavattini, der als Vater des italienischen Neorealismus gilt. Von ihm stammt ein berühmter Aufsatz, wie er und de Sica im echten Leben nach Figuren suchten. Es war die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und Italien war von Armut gelähmt. Die Geschichte ist schnell erzählt. Lamberto Maggiorani, ein Nicht-Schauspieler, verkörpert Ricci, einen Mann, der jeden Morgen den hoffnungslosen Versuch unternimmt, Arbeit zu finden. Eines Tages aber hat er Erfolg: Ein Job wird geboten für einen Mann, der ein Fahrrad besitzt. Und Ricci besitzt ein Fahrrad! Doch er musste es verpfänden. Nur mit grösster Mühe gelingt es Ricci und sein Frau, das Fahrrad einzulösen und so kann Ricci als Post-Zusteller arbeiten. Einmal stellt er sein Fahrrad unachtsam ab, ohne es anzuschliessen. Wir erwarten, dass es geklaut wird - jedoch ist das Rad noch an seiner Stelle, als Ricci zurückkehrt. Dann aber wird es tatsächlich gestohlen - ohne Zweifel von einem anderen Mann, der einen Job sucht. Ricci, gemeinsam mit seinem kleinen Sohn Bruno (Enzo Staiola), versucht den Dieb zu fassen. Doch WIE in den verwinkelten Strassen Roms? Und natürlich ist die Polizei keine Hilfe. Ricci gibt letztlich auf und bringt seinem Sohn bei, dass Leben nichts als Leid bedeutet. Du lebst und leidest. Zur Hölle mit dem Leben! - und deshalb essen Ricci und sein Sohn eine Pizza. Um sich das leisten zu können, müsste man eine Million Lire im Monat verdienen, so Ricci zu Bruno. Einen Moment darauf aber entdeckt Ricci den Fahrrad-Dieb und verfolgt ihn bis zu einem Bordell. Dort wartet eine hässliche Menge. Ein Polizist naht, doch der kann nicht helfen, denn es gibt keine Zeugen ausser Ricci selbst. Was soll Ricci tun? Schliesslich wird er selbst dazu verleitet, ein Rad zu klauen in diesem Kreislauf aus Armut und Diebstahl. So direkt wird Bicycle Thieves erzählt, dass es mehr einer Parabel, denn einem Drama gleicht. Manchmal mag es etwas enttäuschend sein, dass Riccis Charakter im Grunde nur in der Pizzeria Szene richtig lebendig erscheint. Doch das mag am Charakter der Parabel liegen. Trotzdem ist Ricci eine zeitlose Figur. Ein Mann, der alles daran legt, seine Familie zu beschützen. Wer könnte sich nicht mit ihm identifizieren? Und im Ernst; wer nicht weinen muss nach Bicycle Thieves - was fühlt dieser Mensch überhaupt? Neorealismus als Begriff kann eine ganze Menge bedeuten. Vor allem verstehe ich darunter aber Filme aus dem sozialen täglichen Leben, geboren in der Armut nach dem Krieg. In Bicycle Thieves führt de Sica die neorealistische Welt sehr pointiert ein, in dem Moment, da Ricci vor einem grossen "Rita Hayworth" Plakat sein Fahrrad sucht. Hier die neorealistische Welt, dort Hollywood. Die Kernaussage lautet: In einer besseren Gesellschaft würde der Wohlstand gerechter verteilt sein.
Montag, 13. November 2017
youtube stream: Claude Chabrol - Juste Avant La Nuit
Die Blondine sieht schön aus, vielleicht ein bisschen zu sehr. Sie räkelt sich auf dem Bett. Sie fordert ihn auf, mit ihr zu spielen - und leckt sich die Lippen. Michel Bouquet sitzt voller Gram am Fenster. Ein kleiner Mann, korrekt gekleidet, mit dünnem Haar, dass ihm langsam ausgeht. Er will überhaupt nicht spielen, tut es dann aber doch. Die Blonde schliesst ihre Augen und widmet sich ganz ihren Vergewaltigungs-Fantasien. Natürlich wünscht sie auch, gewürgt zu werden. Die Leinwand verdunkelt sich, es erscheint der Titel: Juste Avant La Nuit. In dem Moment, da das Licht zurückkehrt ist die Blonde tot. Wie so oft in Claude Chabrols Filmen erscheinen seine Charaktere wie Prototypen der französischen Bourgeoisie. Sie sind furchtbar seriös und werden von allen respektiert, leben in erhabenen Anwesen und arbeiten in Schlüsselpositionen. Doch hinter der Fassade verbergen sich dunkle Fantasien und wohl behütete Geheminisse bis hin zum Mord. Killer sind sie nicht. Es ist eher so, dass sie sich über die eigene Tat wundern und erschrecken. Juste Avant La Nuit ist einer der besten Chabrol Filme zu seinem Lieblingsthema. Wie in seinen besten Werken verbirgt sich so viel mehr hinter den zunächst glatten Charaktere. So viel mehr kann Chabroll über sie erzählen! Just Avant La Nuit handelt von Schuld und Sühne - schliesslich auch von Vergebung. Irgendwann dachte ich mir, dass ein Mord doch eigentlich jedem passieren könnte. Doch wären wir genauso vulgär wie Chabrols Figuren, den Mord anschliessend zu beichten? Die Tote ist die Frau von Charles' (Bouquet) bestem Freund. Seit mehreren Monaten pflegen sie und Charles eine Affäre. Eine perverse Beziehung, die auf den Fantasien der Ermordeten beruht. Im Grunde verachtet Charles sie und ihre Spielchen. Das, was sie wünscht, ist ihm zuwider! Ich denke nicht, dass er den genauen Grund kennt, weshalb er sie ermorden will - jedenfalls kehrt er nach der Tat zurück in sein gewohntes Leben. Niemand verdächtigt ihn. Charles ist verheiratet mit einer eleganten Frau (Stephane Audran). Er ist Vater von netten und aufgeweckten Kindern. Während des Begräbnisses erlangt Charles die absolute Gewissheit, dass die Polizei seine Spur niemals aufnehmen wird. Nachts aber quält seine Tat ihn, bringt ihn um den Schlaf. Charls überkommt der Wunsch, sein Verbrechen jemandem zu beichten: Seiner Frau als auch seinem besten Freund, dem Witwer der Toten. Und welch Wunder - sie alle vergeben ihm. Niemand verspürt die Lust auf Rache. Doch genau danach verlangt Charles. Er möchte gerichtet und bestraft werden. Die Anderen aber verhalten sich nicht anders als die tote Blondine, ganz so als führten sie ihr Spiel fort. Juste Avant La Nuit ist eine Meditation über das Thema Schuld. Was ist richtig? Was ist falsch? Natürlich bedauert man die Tote. Die Polizei zu rufen würde aber doch etwas zu weit gehen. Wer ausser Chabrol wäre noch in der Lage, ein Verbrechen wie Mord weniger verachtungswürdig darzustellen? Wer könnte es noch skandalöser relativieren?
Die Blondine sieht schön aus, vielleicht ein bisschen zu sehr. Sie räkelt sich auf dem Bett. Sie fordert ihn auf, mit ihr zu spielen - und leckt sich die Lippen. Michel Bouquet sitzt voller Gram am Fenster. Ein kleiner Mann, korrekt gekleidet, mit dünnem Haar, dass ihm langsam ausgeht. Er will überhaupt nicht spielen, tut es dann aber doch. Die Blonde schliesst ihre Augen und widmet sich ganz ihren Vergewaltigungs-Fantasien. Natürlich wünscht sie auch, gewürgt zu werden. Die Leinwand verdunkelt sich, es erscheint der Titel: Juste Avant La Nuit. In dem Moment, da das Licht zurückkehrt ist die Blonde tot. Wie so oft in Claude Chabrols Filmen erscheinen seine Charaktere wie Prototypen der französischen Bourgeoisie. Sie sind furchtbar seriös und werden von allen respektiert, leben in erhabenen Anwesen und arbeiten in Schlüsselpositionen. Doch hinter der Fassade verbergen sich dunkle Fantasien und wohl behütete Geheminisse bis hin zum Mord. Killer sind sie nicht. Es ist eher so, dass sie sich über die eigene Tat wundern und erschrecken. Juste Avant La Nuit ist einer der besten Chabrol Filme zu seinem Lieblingsthema. Wie in seinen besten Werken verbirgt sich so viel mehr hinter den zunächst glatten Charaktere. So viel mehr kann Chabroll über sie erzählen! Just Avant La Nuit handelt von Schuld und Sühne - schliesslich auch von Vergebung. Irgendwann dachte ich mir, dass ein Mord doch eigentlich jedem passieren könnte. Doch wären wir genauso vulgär wie Chabrols Figuren, den Mord anschliessend zu beichten? Die Tote ist die Frau von Charles' (Bouquet) bestem Freund. Seit mehreren Monaten pflegen sie und Charles eine Affäre. Eine perverse Beziehung, die auf den Fantasien der Ermordeten beruht. Im Grunde verachtet Charles sie und ihre Spielchen. Das, was sie wünscht, ist ihm zuwider! Ich denke nicht, dass er den genauen Grund kennt, weshalb er sie ermorden will - jedenfalls kehrt er nach der Tat zurück in sein gewohntes Leben. Niemand verdächtigt ihn. Charles ist verheiratet mit einer eleganten Frau (Stephane Audran). Er ist Vater von netten und aufgeweckten Kindern. Während des Begräbnisses erlangt Charles die absolute Gewissheit, dass die Polizei seine Spur niemals aufnehmen wird. Nachts aber quält seine Tat ihn, bringt ihn um den Schlaf. Charls überkommt der Wunsch, sein Verbrechen jemandem zu beichten: Seiner Frau als auch seinem besten Freund, dem Witwer der Toten. Und welch Wunder - sie alle vergeben ihm. Niemand verspürt die Lust auf Rache. Doch genau danach verlangt Charles. Er möchte gerichtet und bestraft werden. Die Anderen aber verhalten sich nicht anders als die tote Blondine, ganz so als führten sie ihr Spiel fort. Juste Avant La Nuit ist eine Meditation über das Thema Schuld. Was ist richtig? Was ist falsch? Natürlich bedauert man die Tote. Die Polizei zu rufen würde aber doch etwas zu weit gehen. Wer ausser Chabrol wäre noch in der Lage, ein Verbrechen wie Mord weniger verachtungswürdig darzustellen? Wer könnte es noch skandalöser relativieren?
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