Our Daily Free Stream: Chris Marker - A Grin Without A Cat (engl. subt.)
Our Daily Free Stream: Chris Marker - A Grin Without A Cat (engl.
subt.). Chris Marker, der 2012 im Alter von 91 Jahren starb, ist so
etwas, was die Kritiker als Pionier des Essay Films bezeichnen. 1962
schuf er mit dem halbstündigen Kurzfilm La Jetee einen der
einflussreichsten Science Fiction Filme mit dem Motiv der Zeitreise.
Marker hat nie wieder einen Film wie La Jetee gemacht und oft betont,
dass es auch nie sein Lieblingsfilm war. Trotzdem verbindet man seine
weiteren - fast 60! - Filme immer wieder mit La Jeteee, so wie ich das
auch gerade mache. Einfach, weil sie alle die menschliche Wahrnehmung,
Geschichte und das kollektive Gedächtnis erforschen. A Grin Without A
Cat ist eine dieser erfrischenden Betrachtungen von Historie und
Anthropologie, die im Grunde ausdrückt, wie widerwertig Marker die
Annahme von "Objektivität" gewesen sein muss. Immer gab es in Markers
Erforschungen einen Anklang an seine eigene "Cinephilia", denn wie so
viele französische Autoren zu Beginn der 60er arbeitete Marker zuvor als
Kritiker. Im Grunde blieb er das auch Zeit seines Lebens. Bestimmt gibt
es so einige, die seine diskussionswütigen Filme als frustrierend und
viel zu "französisch" empfinden. Markers Filme sind das auch, durch und
durch französisch im Sinne der intellektuellen Tradition im Nachbarland,
einer diskursiven Ermittlung. Man stelle sich den eigenen Standpunkt
als Gipsabruck vor und bearbeite ihn mit einer Fräse, die dem
allgemeinen intellektuellen Stand entspricht. Hast du es vor Augen, wie
hier die Späne fliegen? Was bedeutet das für A Grin Without A Cat?
Markers Standpunkt dazu müsste so lauten: Es ist unmöglich, einen Film
über die weltweiten Kriege in Vietnam oder Bolivien, den Mai '68, Prag,
Chile und das Schicksal der Linken zu drehen. Der Titel Le fond de l'air
est rouge drückt das aus: Die Essenz der Luft ist Rot. Im Grunde ein
deprimierendes Thema: Die Kluft zwischen dem Versprechen und der
Realität der globalen sozialistischen Revolution. Marker kann keinen
Film über Vietnam drehen, wohl aber einen, der über Vietnam nachdenkt.
Sein Werk steckt voller Anspielungen, ist ungeheuer eindringend und sehr
bewegend (was ich gar nicht erwartet hätte!). Nicht zuletzt ist A Grin
Without A Cat filmisch ungeheuer reich! Das Leben, wie der Verstand es
wahrnimmt, klingt hier nach als Echo auf das Leben ausserhalb.
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